Architekturfotografie ist wie die Architektur selbst im Spannungsfeld zwischen Dienstleitung und Kunst. Klassische Aufnahmen dienen der sachlichen Dokumentation und medialen Vermittlung von Bauwerken – auch um sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und zu ihrer Wertsteigerung beizutragen. Abbildungen abseits typischer Sehgewohnheiten prägen durch ästhetischen Eigensinn ein spezifisches Bild der gebauten Wirklichkeit.

Wechselnde Wettersituationen, Lichtstimmungen und kostbare Momente haben Einfluss auf die Erscheinung von Architektur. Der Moment, der die Geschichte des Erschaffens erzählt. Der Moment, in dem manch Kubus noch im Ursprungszustand auf den Ansturm des urbanen Lebens zu warten scheint. Der Moment, in dem Menschen beginnen, sich in Strukturen aus Beton, Holz und Glas einzurichten. Der Moment realen Nutzungsalltags kurz vor der Übernutzung oder gar Verschandelung. Und der Moment, in dem Spuren der Abnutzung an Vergängliches erinnern.

Gerd Schaller

 

Zitate

Die Baukunst ist auch eine Kunst. […] Verglichen mit zeitgenössischer Musik oder Malerei hat Architektur ein viel größeres Potenzial, normale Leute abzuholen, weil etwas einfach sehr gut funktioniert, etwas praktisch ist und schön.

 

Peter Zumthor

Architektur ist, unabhängig davon, wie profan oder anspruchsvoll der Zweck ist, dem sie dient, letztendlich die Gesamtheit der durch Menschenhand veränderten Umwelt und damit eine kulturelle Leistung der Menschen.

 

Meinhard von Gerkan

Architektur, Malerei und Bildhauerei werden „die schönen Künste“ genannt. Sie sprechen die Augen an wie die Musik das Ohr. Doch Architektur erschöpft sich nicht in dieser Ästhetik des Auges. Denn ein Bauwerk spricht alle menschlichen Sinne an – Hören, Riechen, Tasten, Schmecken, Sehen.

Forrest Wilson