ADAC Zentrale München

Architekturfotografie ADAC Zentrale München

Architekturfotografie München: Die ADAC-Zentrale im Münchner Stadtteil Sendling-Westpark wurde am 22. März 2012 eröffnet. Das nach einem Entwurf des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton errichtete Gebäude ist mit 93 Metern das siebthöchste Hochhaus in München. 18 Hochhausgeschosse wurden auf einen fünfgeschossigen, amöbenförmigen Sockel aufgesetzt. Im Gegensatz zu der dezenter ausgestalteten Sockelfassade wurde der Hochhauskörper mit einer 30.000 Quadratmeter umfassenden Glasfassade versehen. Einem Mosaik gleich entwickeln 1.152 Fassadenelemente in 22 verschiedenen Farben ein effektvolles Farbspiel.

 

In den Jahren 2006 bis 2011 wurde der Bau nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton errichtet und vereint nun die vormals über die ganze Stadt verstreuten 2.400 Mitarbeiter des ADAC an einem gemeinsamen Firmensitz. Im Fokus der Planungen standen drei Vorgaben des Bauherren: die städtebauliche Situation sollte differenziert in die Gestaltung einbezogen, eine übersichtliche, nachhaltige sowie wirtschaftliche Bürostruktur geschaffen und die Identität des Automobilclubs widergespiegelt werden. Trotz verschiedener Hürden während der Planungs- und später auch im Laufe der Bauphase, konnten im Dezember 2011 die ersten Mitarbeiter einziehen. Am 22. März 2012 schließlich folgte die feierliche Eröffnung.

Städtebaulicher Marker

Die neue Firmenzentrale ist nicht nur für das Unternehmen ein Wahrzeichen. Auch im Münchner Stadtteil Sendling-Westpark fungiert der Gebäudekomplex als markanter Bezugspunkt. An der Hansastraße 23-25, eingefasst von der denkmalgeschützten Sander-Villa und der Bahnstrecke München–Holzkirchen, bezeichnet der 18-stöckige Büroturm samt Sockelbau einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Münchens und entfaltet so seine volle Symbolwirkung. Dank der geschickten Platzierung an der S-Bahntrasse konnte eine Beschattung der eigenen und benachbarten Gebäude vermieden werden. Durch den Versatz der beiden Baukörper wird zudem die Hansastraße räumlich entlastet. Auch die verkehrsgünstige Lage dürfte im Sinne des Bauherren gewesen sein: die U- und S-Bahn-Station Heimeranplatz sowie der Mittlere Ring schließen das Grundstück an sämtliche Verkehrsnetze an.

Turbulente Planung

Im Jahr 2001 hatte sich der ADAC für den Neubau seiner Firmenzentrale in München entschieden. Zwei Jahre später lag eine erste Planung vor, auf deren Basis dann neun Architekturbüros zu einem beschränkten Realisierungswettbewerb eingeladen wurden. Im März 2004 wurde der Entwurf von Sauerbruch Hutton mit dem ersten Preis gekürt, die im November 2005 auch die Aufgaben des ursprünglich verpflichteten Generalplanerteams übernahmen. Nach Baubeginn im Jahr 2006 kam es in der Folge jedoch aufgrund Kostenüberschreitungen und daraus resultierenden Spannungen zu Verzögerungen, die schließlich in einem Baustopp mündeten. 2009 lösten Sauerbruch Hutton den Vertrag auf, sodass die weiteren Bauphasen ohne Beteiligung der Architekten realisiert werden mussten. Dennoch wurde das Gebäude weitgehend nach deren Plänen fertiggestellt, auch wenn sich die Baukosten von ursprünglich geplanten 230 auf letztlich rund 320 Millionen Euro erhöhten.

Kurvendynamik statt strenger Linienführung

Sauerbruch Hutton konzipierten den identitätsstiftenden neuen Firmensitz als Bau mit zwei Hauptgliedern, die gemeinsam die nahegelegene, denkmalgeschützte Sander-Villa einrahmen. Der fünfgeschossige Sockelkörper schmiegt sich mit den Rundungen einer Amöbe an den Fuß des 18-stöckigen Hochhausturms an. Beide Baukörper greifen mit schwungvoll abgerundeten Ecken ineinander, dynamische Kurven spiegeln einerseits die Liebe zur Automobilkultur wieder und bilden gleichzeitig wirksame Raumkanten im näheren Umfeld. Durch die spielerische Auskragung zwischen Turm und Sockel konnte ein teilweise überdachter Innenhof gestaltet werden, über den der Betrachter in das Gebäude geführt wird. Durch die Rundungen beider Gebäude erzielten die Architekten dynamische Perspektivwechsel, die aus der Nähe wie aus der Ferne beeindrucken.

Effektvolle Fassade mit statischer Herausforderung

Während der fünfgeschossige Sockelbau mit seinen langgestreckten Fensterbändern und den grauen Putzflächen vornehme Zurückhaltung wahrt, wurde die Fassade des Büroturms effektvoll ausgestaltet. Insgesamt 30.000 Quadratmeter doppelt verglaste Fassadenfläche wurden aus 1.152 Fassadenelementen aufgebaut, deren Farbigkeit sich aus 22 verschiedenen Gelb- und Orangetönen generiert und so die Marke des Automobilclubs widerspiegelt. Auf den obersten Geschossen des Turms prangt schließlich auch das knallgelbe ADAC-Logo, welches das Firmengebäude weithin sichtbar identifiziert. Die spektakuläre Außenhülle stellte allerdings auch überdurchschnittliche Herausforderungen an die Statik. So machte die 93 Meter hohe Fassade mit hohen Windlasten, der unter dem Baugrundstück verlaufende U-Bahntrasse sowie die Last des acht Meter über den Sockelbau auskragende Büroturmes einige technische Kniffe notwendig: Betonpfeiler stützen den Turm während Manschetten aus Stahl und Beton die U-Bahn-Röhre absichern.

Elementfassade für Lüftung und Sonnenschutz

Dabei wurde die wie ein Kastenfenster aufgebaute Elementfassade nicht nur optisch sondern auch technisch äußerst effektvoll umgesetzt. Die äußere Prallscheibe hält einerseits direkten Winddruck ab und lässt gleichzeitig Luft in den dahinter liegenden Zwischenraum einströmen, die anschließend über Öffnungsflügel auch in die Büros geleitet werden kann. Ein abhängig von den Druckverhältnissen regulierbarer Volumenstrombegrenzer verhindert Zugerscheinungen, eine Innovation die beim ADAC zum ersten Mal in der Praxis eingesetzt wurde. Im Fassadenzwischenraum befinden sich Jalousien, die bei Bedarf für Sonnenschutz sorgen, zirkulierende Frischluft kühlt außerdem die Fassade. Dank dieser natürlichen Belüftung des Büroturms konnte auf eine aufwendige Klimatechnik verzichtet werden. Unterstützend sorgt eine zentrale mechanische Lüftung mit zweifachem Frischluftwechsel und eingebauter Wärmerückgewinnung für ein angenehmes Raumklima im Innern.

Räumliche Diversität

Auf einer Bruttogeschossfläche von 130.000 Quadratmetern umfasst der Gebäudekomplex neben Einzel- und Großraumbüros ein Besucher- und Konferenzzentrum, ein Casino, eine Druckerei sowie Besprechungsräume mit Videokonferenzausstattung und ein Fernsehstudio. Eine dreigeschossige Tiefgarage bildet mit Rechenzentren, Technikräumen und einem Lieferhof den Unterbau. Als zentrales Foyer dient der teilweise glasüberdachte Innenhof. Hier betreten Mitarbeiter und Besucher zunächst den Sockelbau. Ein Ringgang führt zu Liften und Treppen, die in die verschiedenen Gebäudeabschnitte führen. Flex Offices, moderne Großraumbüros mit Teamzonen für die Projektarbeit und sogenannten Cockpits als Rückzugsorte bieten Raum und Ruhe für ungestörtes Arbeiten. Stehtische und Kreativecken lockern das Raumgefüge auf um Konzentration und Kreativität zu fördern. Die räumliche Diversität erzeugt so ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld. An mobilen Schreibtischen doggen die Laptops der Mitarbeiter an, vertrauliche Unterlagen sowie private Gegenstände werden in abschließbaren Rollcontainern aufbewahrt.

Energiekonzept

Auch hinsichtlich der energetischen Versorgung ging der ADAC keine Kompromisse ein sondern schöpfte aus dem Vollen. Fernwärme, Geothermie und Solarstrom speisen das Gebäude mit Energie. Insgesamt 349 Gründungspfähle aus U-Bahn-Sicherungsbau und Baugrubenerschließung beziehen Energie aus dem Erdinnern, mit der Wärme und Kälte produziert wird. Sie besitzen eine Gesamtlänge von rund 48 Kilometern und tauchen bis zu 37 Meter tief ins Grundwasser ein. Über die Wärmepumpe wird eine Betonkernaktivierung versorgt, deren Leitungen in den Betondecken verlaufen und dort die Grundtemperierung der Räume übernehmen. Im Sommer kühlt das Kreislaufwasser aus der Geothermie und aus Rückkühlwerken den Turm. Im Winter erhält das Rohrsystem 25°C warmes Wasser von den Wärmepumpen. Konvektoren entlang der Fassaden beheizen im Bedarfsfall zusätzlich die Büros.

Auf den fünf Flachdächern des Sockelbaus sind auf den Technikaufbauten insgesamt 1.452 rahmenlose Solarmodule mit einer Nennleistung von rund 214 kWp montiert. Sie speisen den erzeugten Strom direkt in das Gebäude und decken so etwa 20 Prozent des Beleuchtungsstroms ab.

Altes bewahren

Doch nicht nur technische Raffinesse bestimmt den Gesamteindruck des neuen ADAC-Firmensitzes. Für die Rückbesinnung auf Ursprüngliches wurde die historische Sander-Villa, die sich auf dem Grundstück befindet renoviert, die ursprüngliche Fassade weitgehend wiederhergestellt. Der denkmalgeschützte Jugendstilbau aus dem Jahr 1909 dient heute als Bibliothek, beherbergt das Archiv des Verbandes und wird zudem als Tagungsraum genutzt. Der Wunsch des Bauherren, ein identitätsstiftendes Gebäude entstehen zu lassen, dürfte sich damit erfüllt haben und so repräsentiert sich der ADAC als dynamisches und mobiles Unternehmen, das der Tradition des Automobils verpflichtet ist.

Das Architekturfotografie-Projekt wurde im Rahmen einer BAUWERK-Dokumentation umgesetzt.

Architekturfotografie ADAC Zentrale München

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Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

Homepage der Architekten Sauerbruch Hutton
ADAC Zentrale München bei Detail