Bürogebäude 2226 Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Lustenau: Mit gestalterischem und technischen Minimalismus schlugen die Baumschlager Eberle Architekten im österreichischen Lustenau neue Wege hinsichtlich Haustechnik und Architektur ein. Das Projekt „2226“ ist für sie sowohl Leuchtturmprojekt als auch neuer Firmensitz.

 

Was moderne Gebäude durch Energieeffizienz einsparen, machen sie oft durch umfängliche Technik wieder wett: die Rede ist von Kosten. Wartungsintensive Heiz- und Lüftungssysteme, aufwendige Klimatechnik oder unausgereifte elektrische Spielereien treiben die Nebenkosten schnell in unliebsame Höhen. Dass ein Gebäude jedoch völlig ohne diese Komponenten auskommen kann, haben jüngst die Baumschlager Eberle Architekten im österreichischen Lustenau unter Beweis gestellt. Mit dem 2013 fertiggestellten „Leuchtturmprojekt“ 2226 wollte das Architektenteam seiner eigenen Haltung im Hinblick auf Design und Ressourceneffizienz Ausdruck verleihen. Und was hätte sich hierfür besser geeignet, als der neue Firmensitz des Architekturbüros? Ziel des Projektes war, neue Wege hinsichtlich Haustechnik und Architektur einzuschlagen. Entstanden ist dabei ein universeller Prototyp, der gleichzeitig als globales Vorbild verstanden kann, wie es die Architekten ausdrücken. Standort des Vorzeigeprojektes ist dann auch der Millennium Park Lustenau. Dieser ist zwar eigentlich ein Industriegebiet, doch gerade hier fanden die Architekten sowohl den nötigen Freiraum als auch ebenbürtige Gebäude, um dem beinahe surrealistisch anmutenden Monolithen eine angemessene Bühne zur Selbstentfaltung zu bieten. Die gute Anbindung an Autobahn, Zugnetz und Flughafen sorgt außerdem dafür, dass die in der ganzen Welt verteilten Projekte der Baumschlager Eberle Architekten jederzeit gut erreichbar sind.

Stille Dynamik nach Außen

Wer sich dem Gebäude von außen nähert findet sich in einer asketisch anmutenden Landschaft aus weißem Kies und metallgefassten Wasserbecken wieder. Neu angepflanzte Baumreihen rhythmisieren das Gelände. In genau dieser Leere liegt die gestalterische Fülle des Kubus. Surrealistisch, wie aus dem Nichts geschaffen, wirkt der frei stehende, sechsstöckige Monolith. Die helle Fassade in ihrer natürlichen Materialität bedarf keines Schmuckes. Um jedoch die massive Form aufzubrechen, ließen die Architekten den Kubus über dem zweiten und dritten Geschoss leicht in sich verdrehen. So entsteht eine stille Dynamik, die dem stummen Riesen eine charmante Lebendigkeit verleiht. Ab dem ersten Obergeschoss wurden alle Ebenen mit identischen Fensterreihen versehen. Brüstungshöhen von lediglich 45 Zentimetern erlauben einen hohen Tageslichteinfall. Im Erdgeschoss wurden die Fenster umlaufend bodentief ausgeführt. Tiefe Fensterlaibungen bieten gleichzeitig einen Schutz gegen zu stark einfallendes Licht. Jede Gebäudeseite verfügt über einen eigenen Eingang, sodass der komplexe Baukörper von allen Himmelsrichtungen aus betreten werden kann. Alle Wände erhielten beidseitig einen glatten Kalkputz, der unter Sonneneinstrahlung immer härter und schmutzabweisender werden soll. Vom blauen Himmel hebt sich die Gebäudehülle durch einen expressiven Kontrast ab. Nachts sorgt die warme Innenraumbeleuchtung für ein Spiel aus Form und Farbe.

Luxus durch Minimalismus

Der gesamte Baukörper wurde in Ziegelbauweise errichtet, einschließlich der Innenwände und des Aufzugsschachtes. Lediglich die Geschossdecken bestehen aus Betonfertigteilen, mit Holzunterkonstruktionen und Aufbeton. Gerade in einer Welt der Reizüberflutung und ständigen Sendebereitschaft darf dieser formische Minimalismus als wahrer Luxus verstanden werden. Große, offene Räume, wertige Rohstoffe und eine sorgfältige Verarbeitung sprechen für sich und benötigen keinen zusätzlichen Dekor. Dennoch oder gerade deswegen ist das Bürogebäude ein Ort der Sinne. So sind im Erdgeschoss ein öffentliches Café sowie eine Kunstgalerie untergebracht. In den Obergeschossen befinden sich Büros, allen voran das der Architekten. Die Räume rotieren dabei wie Windmühlenflügel um die Gebäudeachse. Vier gemauerte Quader schaffen Grundrisse in unterschiedlichen Abmessungen, einschließlich zweier Treppenhäuser, Lift und Nebenräumen wie etwa Sanitäreinrichtungen und Teeküche.  Großzügige Raumhöhen von 4,21 Metern im Erdgeschoss und 3,36 Metern in den oberen Stockwerken sorgen zusammen mit den jeweils bis zur Decke reichenden Fenstern für größtmöglichen Tageslichteinfall. Dies schafft nicht nur eine hohe Aufenthaltsqualität sondern reduziert auch die Stromkosten, da der Einsatz von Kunstlicht reduziert werden kann.

Energie (fast) ohne Technik

Mindestens genauso bemerkenswert wie seine Hülle ist das Energiekonzept des Monolithen, denn das Gebäude kommt ohne jegliche Heizung aus. Besser gesagt, es fungiert selbst als Heizung, einschließlich der Menschen, die im Gebäude leben und arbeiten. Allein die Abwärme eines menschlichen Körpers erzeugt rund 80 Watt an Wärmeleistung. Sonneneinstrahlung und technisches Gerät tun ihr Übriges. Egal ob Kopierer, Computer und Beleuchtungseinheiten bis hin zu Smartphones und Kaffeemaschine: überall dort, wo Energie umgesetzt wird, entsteht Wärme. Im vorliegenden Fall reicht sie tatsächlich aus, um im Gebäude dauerhaft Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad Celsius zu halten. Das Konzept ist so bahnbrechend wie simpel, dass kurzerhand das Projekt danach benannt wurde: „2226“.  Und für den Fall, dass es im Gebäudeinnern zu warm wird, sorgt eine weitere, reichhaltig vorhandene Ressource für Abhilfe: Luft. Die dreifachverglasten Fenster verfügen dazu über seitliche Lüftungsflügel aus Vollholz, die von einer eigens entwickelten Software gesteuert werden. Erkennt diese einen Temperaturanstieg oder steigenden Kohlendioxid-Gehalt, werden die Lüftungsklappen geöffnet und die Räume mit Frischluft versorgt. Der Hauptgrund, warum das Gebäude ohne zusätzliche thermische Regulierung auskommt, ist jedoch die insgesamt 76 Zentimeter starke Ziegelaußenmauer, von der rund die Hälfte als Isolationsschicht ausgeführt wurde. Durch den beinahe vollkommenen Verzicht auf Wärme- und Klimatechnik konnten die Mehrkosten für das massive Ziegelmauerwerk ausgeglichen werden. Im Hinblick auf die veranschlagte Lebensdauer von rund 200 Jahren, reduzieren sich die Kosten im Verhältnis nochmal, da auf wartungsintensive Installationen verzichtet wurde. Nicht nur in Sachen Energetik gelang den Planern ein äußerst effizientes Bauwerk. Auch die sorgfältig ausgewählten Baumaterialien wie etwa Massivholzfenster und Ziegel aus heimischen Ressourcen reduzieren den ökologischen Fußabdruck nochmals und setzen gleichzeitig Maßstäbe in Sachen Ästhetik und Aufenthaltsqualität.

Das Architekturfotografie-Projekt wurde im Rahmen einer BAUWERK-Dokumentation umgesetzt.

 

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Architekturfotografie Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

Bürogebäude 2226 Baumschlager Eberle Lustenau

 

Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

Bürogebäude 2226 bei detail.de
Homepage Baumschlager Eberle