Elefantenhaus Tierpark Hellabrunn München

Architekturfotografie Elefantenhaus Tierpark Hellabrunn München

Architekturfotografie München. Nachdem im Münchner Tierpark Hellabrunn die Unterdecken des historischen Elefantenhauses teilweise eingestürzt waren, entschloss sich der Zoo zu einer aufwendigen Generalsanierung. Dabei konnte sowohl der orientalische Charme gewahrt, als auch die Lebensqualität der Dickhäuter maßgeblich verbessert werden.

 

Der Tierpark Hellabrunn wurde am 1. August 1911 eröffnet. Eines seiner ältesten Gebäude und gleichzeitig das Wahrzeichen des Tierparks ist das Elefantenhaus. 1914 wurde es im neobyzantinischen Stil von Emanuel Seidl errichtet, dem auch der erste künstlerische Generalausbauplan des Tierparks oblag. Exotische Baukunst erfreute sich damals großer Beliebtheit, transportierte sie doch die fremde Welt der Kolonien in die vertraute Umgebung der Heimat. Die orientalisch anmutenden Kuppel aus Glas und Stahlbeton begeisterte dementsprechend die Besucher – und war gleichzeitig eine der ersten freitragenden Betonkuppel-Konstruktionen weltweit. Doch rund 100 Jahre sowie die ammoniakhaltige Luft im Innern des Elefantenhauses setzten der Bausubstanz zu. Im Jahr 2010 stürzte deshalb ein Teil der Decke ein. 2014 wurde die Dachkuppel schließlich aus Sicherheitsgründen gesprengt. Nach einer mehrjährigen Planungs- und Sanierungszeit konnte das Elefantenhaus am 28. Oktober 2016 dann nach feierlicher Eröffnung wieder in altem und neuem Glanz erstrahlen.

Schönheitsreparaturen mit Hindernissen

Eigentlich sollte das Elefantenhaus anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Hellabrunn im Jahr 2011 lediglich einen „frischen Anstrich“ erhalten.  Die ursprünglich ockergelbe Farbe sollte wiederhergestellt, ehemals vorhandene Oberlichter freigelegt werden. Doch kurz nach Beginn der Fassadenarbeiten stürzte im Jahr 2010 unvermittelt ein Teil der tonnenschweren Rabitzdecke ein. Das Elefantenhaus wurde sofort für Besucher gesperrt. Sechs Elefanten, drei Giraffen sowie sieben Pinselohrschweine, die gemeinsam in dem denkmalgeschützten Bau untergebracht waren, mussten schnellstens umquartiert werden. Der Zoo errichtete dazu mehrere Provisorien – auf unbestimmte Zeit, denn aus den Schönheitsreparaturen war über Nacht eine millionenschwere Generalsanierung geworden.

Sprengung trotz Denkmalschutz

Schon zu Beginn der Folgearbeiten zeigte sich, dass die Dachkonstruktion weit mehr als angenommen in ihrer Tragfähigkeit beeinträchtigt war. Unter dem Risiko, den Denkmalschutz für den historischen Bau zu verlieren, entschied man sich, die Dachkuppel vollständig zu sprengen, da eine Sanierung unmöglich schien. Am 12. September 2014 fiel die 18 Meter hohe und rund 300 Tonnen schwere Stahlbetonkonstruktion in sich zusammen. Da Grundmauern und Fundamente teilweise erhalten werden konnten beschloss man, das Elefantenhaus auf den alten Grundfesten wieder neu aufzubauen. Ziel war es, den Geist des berühmten und beliebten Wahrzeichens zu erhalten aber gleichzeitig ein modernes und artgerechtes Gebäude zu schaffen. Der Tierpark entschied sich schließlich für einen Neuaufbau der Dachkuppel als Stahl- und Glaskonstruktion. So war es möglich, die Bauweise des historischen Originals wieder aufzunehmen, mehr Lichteinfall zu generieren und gleichzeitig eine höhere Toleranz gegenüber den tierischen Ausdünstungen zu erzielen.

Wiederaufbau mit Verzögerungen

Für den Wiederaufbau stand ein verhältnismäßig knappes Budget von rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Dem beauftragten Ingenieurbüro gelang es jedoch, mittels Optimierung des statischen Systems, einer günstigen Querschnittswahl und einer Anpassung auf die Möglichkeiten der ausführenden Stahlbaufirma den Herstellungsaufwand zu senken und so im Kostenrahmen zu bleiben. Doch zuerst machten negative Statikprüfungen weitere Rückbau- und Abbruchmaßnahmen nötig, sodass am Ende nur rund 20 Prozent der alten Mauern erhalten werden konnten. Die zwölf Trägerelemente wurden schließlich statisch verstärkt und dienen als heute wieder als Raumgerüst für die neue Dachkuppel. Mittels iterativem Algorithmus errechneten die Ingenieure die exakten geometrischen Parameter für die Dachkonstruktion. Entstanden ist eine ellipsoide Form, mit der die noch vorhandenen Stützen ideal erreicht und gleichzeitig die historische Dachform eng nachempfunden werden konnte.

Stahlkonstruktion für 664 Quadratmeter Dachfläche

Sowohl die Haupt- als auch die vier Seitenkuppeln erhielten eine eigens angefertigte Stahlkonstruktion mit einer Fläche von insgesamt 664 Quadratmeter. Möglich machte das ein BA-Verglasungssystem der JET-Gruppe, das auf der Stahlunterkonstruktion aufgebracht wurde. So können weder hohe Windlasten noch Schlagregen oder vergleichbare Extremwetterereignisse dem neuen Dickhäuterdomizil etwas anhaben. Belüftungsflügel gewährleisten den Luftaustausch. Ammoniakdämpfe können damit künftig abziehen, statt die Raumluft zu beeinträchtigen. Auch die fünf historischen Dachkronen wurden zwischenzeitlich restauriert. Sie bilden mit ihren 1,20 und 1,50 Meter hohen ‚Wimpel‘ den Abschluss der Hauptkuppel und der vier Seitenkuppeln. Jede Dachkrone besteht aus Kupferblech und wiegt rund 30 Kilogramm. Zur Eröffnung des Zoos im Jahr 1914 waren sie mit Blattgold überzogen worden, doch auch an ihnen hatte der Zahn der Zeit genagt. Zur Finanzierung der kostspieligen Restauration hatte der Tierpark um Spenden gebeten – die Kosten pro Krone beliefen sich auf rund 9.000 Euro. Auch die restaurierten Fenster befinden sich wieder an ihrem Platz. Mit Fingerspitzengefühl und technischer Raffinesse gelang es Planern und ausführenden Firmen, mit der transparenten, filigranen Konstruktion den orientalischen Charme des historischen Vorläuferbaus wieder aufleben zu lassen.

Neueste Erkenntnisse für glückliche Elefanten

Auf fast 1.000 Quadratmetern Fläche findet die Herde nun genügend Platz, um sich zu bewegen, zu entspannen und zu fressen. Das Herzstück des Elefantenhauses bildet ein großer Freilaufbereich mit unterschiedlichen Bodenbelägen: Sand dient der Hautpflege, harter Naturbodenbelag der Abnutzung der Fußsohlen. Ein zusätzlicher Bereich mit Gummiboden schont die Gelenke. Im drei Meter tiefen und 90 Quadratmeter großen Tauch-Badebecken mit Wasserfall und Strömungsdüsen können die Dickhäuter planschen und Körperpflege betreiben. Da Elefanten ihr Futter gerne waschen, wurde eigens ein separates Futterwaschbecken für das Säubern von Obst und Gemüse installiert. Sieben unterschiedlich große Boxen dienen den Tieren als Ruhezonen. Sie sind mit den anderen Boxen und der Freilauffläche verbunden, wobei jede Innenbox einen eigenen Außenzugang hat. Zwei Trainingsboxen bieten Platz für die Arbeit mit den Tieren. Heute gilt das Prinzip des „geschützten Kontakt“, bei dem Tierpfleger mit den Elefanten über eine sichere Absperrung hinweg trainieren. Alle Boxen sind rings um die Freilauffläche angeordnet, lassen sich aber je nach Bedarf vom übrigen Raum separieren. Der Besucherbereich wurde neben einer ebenerdigen Plattform auch als Galerie ausgeführt, sodass große und kleine Zoobesucher eine spektakuläre Sicht auf die Herde haben. Doch im Gegensatz zum historischen Vorbild haben nun die Elefanten deutlich mehr Platz als die Zuschauer. Wie sich zeigte, ist die Rekonstruktion des Elefantenhauses nicht nur in architektonischer Hinsicht ein Gewinn, auch die Bewohner freuten sich beim Einzug sichtlich über ihr neues Zuhause.

Das Architekturfotografie-Projekt ist im Rahmen einer BAUWERK-Reportage entstanden.

Architekturfotografie Elefantenhaus Tierpark Hellabrunn München

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Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

Homepage Tierpark Hellabrunn München
Bautagebuch Elefantenhaus
Bauvorhaben Elefantenhaus Tierpark Hellabrunn