MAN Stahlhäuser Augsburg

Architekturfotografie Denkmalgeschützte Stahlhäuser Augsburg

Architekturfotografie Augsburg: Fertighäuser waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein probates Mittel, um schnell und günstig Wohnraum bereitzustellen. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, besser bekannt unter dem Namen M.A.N., entwickelte deshalb Stahl-Fertighäuser, die auf kompaktem Raum funktionales aber dennoch komfortables Wohnen ermöglichten.

Nach dem zweiten Weltkrieg lagen europaweit Städte in Schutt und Asche. Vor allem an wertvollem Wohnraum mangelte es, der nun schnell wieder aufgebaut werden musste. Um bezahlbare Wohnbauten schnell und auf Masse herstellen zu können, griff man den bereits in den 1920er Jahren vorgestellte Typus des Fertighauses auf, der sich in der Folge zur marktreifen Innovation entwickelte. Inspiriert von der Bauhaus-Architektur Walter Gropius’, begann das MAN-Werk Gustavsburg im Jahr 1948 metallene Unterkünfte herzustellen, die sich ganz nach den Bedürfnissen des Bauherrn konstruieren ließen. Aus einer stählernen Außenhaut, einem Innenskelett aus Metall sowie einer Dämmung aus Glaswolle entstanden wohnliche Einfamilienhäuser, die „ganz schlicht, aber anheimelnd und bei aller Sachlichkeit etwas für das deutsche Gemüt“, waren, wie es der Architekt Hans Schneider ausgedrückt hatte.

Siedlerhäuschen mit architektonischem Anspruch

Auch wenn der Begriff „Stahlfertighaus“ nicht unmittelbar auf Wohnlichkeit und äußeren Charme schließen lässt, so waren die Häuschen innen wie außen durchaus ansehnlich und durchdacht. Nicht nur die Einfüsse der Architektur Walter Gropius’ lassen sich erkennen. Die Schiebefenster sowie die auffällige Lattung der Stahlaußenhaut erinnern auch an die Holzverschalungen amerikanischer Stadthäuschen und verleihen den kleinen Siedlerhäusern ein selbstbewusstes Äußeres. Ab Werk wurden vier verschiedene Grundrissformate gefertigt: 8 × 8 Meter, 8 × 10 Meter, 8 × 13 Meter und 8 × 16 Meter. Ebenso konnten unterschiedliche Dachneigungen bestellt werden. Käufer konnten die Häuser im Bungalow-Stil mit Erdgeschoss und flachgeneigtem Satteldach aber auch mit Erdgeschoss, erstem Obergeschoss und einem kleinen bewohnbaren Dachgeschoss unter einem steilen Satteldach konstruieren lassen. Dabei sollte sich die Gebäudekubatur nicht wesentlich von den konventionellen Steinhäusern der Zeit unterscheiden: mit Lochfassade, Satteldach und Sprossenfenster mit Klappläden wurden aus den Stahlfertigteilen vollwertige Einfamilienhäuser. Auf engem Raum, kompakt, funktional und trotzdem komfortabel, konnten die Ingenieure alle für das Leben und Wohnen wichtigen Komponenten unterbringen. Hinter stählernen Installationswänden wurden die Brauch- und Abwasserleitungen zwischen Küche und Bad verlegt. Die Badewanne ragte dabei in den Unterschank der Spüle hinein. Wandschränke dienten gleichzeitig als Innenwände. Die Fenster waren mit Gegengewichten und herausziehbaren Fliegengittern versehen und konnten zum Öffnen wie in einem Eisenbahnwagen nach unten versenkt werden.

Raffinierte Baukonstruktion

Ebenso durchdacht wie das Innenleben der Häuschen war die Baukonstruktion konzipiert. Die einzelnen Module wurden im Werk vorgefertigt und dann auf der Baustelle zusammengesetzt. Die Außenwandplatten bestanden aus 1 Millimeter starken Stahlblechplatten von 1 x 2,51 Metern Größe. Als Korrosionsschutz diente ein Ölanstrich auf der Außenseite. Freitragende Dachträger aus standardisiertem Fachwerk überspannten die gesamte Hausbreite. Da somit die gesamte Dachlast von den Außenwänden getragen wurde, konnten die Innenräume individuell nach den Wünschen eines jeden Bauherren aufgeteilt werden. Die vorgefertigten Wandelemente wurden vor Ort auf ein gemauertes Fundament gesetzt und mit der Stahlrahmenkonstruktion verschraubt. Auf die außenliegenden Stahlblechwände wurde eine Dämmung aus Glasfasermatten aufgebracht, die nach Innen mit Hartfaserplatten verkleidet wurden. Die damaligen Werbebroschüren lobten den Isolierwert des Wandaufbaus, der einer 80 Zentimeter dicken Ziegelwand entsprochen haben soll. Auch der Fußboden wurde mit Glaswollmatten isoliert. Nut- und Federbohlen, die auf der modularen Stahlrahmenkonstruktion montiert wurden,  dienten als Bodenbelag.

40 Häuser sind deutschlandweit noch bewohnt

Für die damalige Zeit waren die MAN-Stahlhäuser qualitativ durchaus hochwertig. Eine effiziente Wärmedämmung, feuerverzinkte Bauteile und der eingebrannte Anstrich sorgten für eine bauphysikalisch funktionale Außenhülle und ein angenehmes Raumklima. Insgesamt wurden 230 Häuser gefertigt und weltweit verkauft. Im Jahr 1953 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Die Kosten für ein Stahlfertighaus waren im Vergleich zu anderen Fertighäusern einfach zu hoch: ein Haus mit einfacher Ausstattung kostete damals 18.800 D-Mark. Mit Sonderausstattung und Innenausbau wie Einbauküche, Badezimmer und Warmwasser-Zentralheizung betrugen die Kosten dann aber rund 30.000 D-Mark, was heute etwa 70.000 Euro entspricht. Andere Fertighäuser wurden hingegen schon ab 3.500 D-Mark angeboten und stellten deshalb eine harte Konkurrenz dar. In Deutschland sind heute noch etwa 40 MAN-Stahlhäuser erhalten und bewohnt. Um Korrosionsschäden zu verhindern müssen die Außenwände regelmäßig sandgestrahlt und neu lackiert werden. Die meisten der noch erhaltenen Häuser stehen heute unter Denkmalschutz. Einige von ihnen durften jedoch im Rahmen der jeweiligen Denkmalschutzbestimmungen mit modernen Erweiterungsbauten versehen werden. So behielten die kleinen Siedlerhäuser ihren historischen Charme ohne jedoch Abstriche an die heutigen Ansprüche hinsichtlich Wohnraum- und Lebensqualität machen zu müssen.

Das Architekturfotografie-Projekt wurde im Rahmen einer Denkmal-Dokumentation umgesetzt.

 

Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

MAN Stahlhaus in Stuttgart
Bericht des Bayerischen Fernsehens über MAN Stahlhäuser