Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Sankt Moritz: Das Engadin ist bekannt für seine intakte Naturlandschaft aus wilden Schluchten und grünen Täler. Doch das Hochtal im Schweizer Kanton Graubünden hat neben Erholung in der freien Natur auch eine exklusive Bäderkultur zu bieten.

 

Das Engadin ist bekannt für seine schöne Natur und exklusiven Ferienorte. Der wohl beliebteste unter ihnen ist St. Moritz. Die Gemeinde verdankt ihre Berühmtheit nicht nur dem Wintersport, sondern auch ihrer bis in das 19. Jahrhundert zurückreichende Bäderkultur. Die gesundheitsfördernde Wirkung der örtlichen Heilquellen war schon früh bekannt und so wurde aus dem kleinen Dorf ein mondäner Kurort für die Reichen und Schönen. Seitdem hat St. Moritz nichts von seinem guten Ruf eingebüßt. Im Gegenteil. Dass Stadtarchitektur modernen Ansprüchen gerecht werden und dennoch das städtebauliche Erbe bewahren kann, demonstrierte jüngst die Architektengemeinschaft Morger + Dettli aus Basel und Bearth & Deplazes aus Chur. Mit einem neuen Wasser- und Sportzentrum ersetzen sie ein sanierungsbedürftiges Schwimmbad der 1960er Jahre. Mit dem Ovaverva entstand ein neuer architektonischer Marker, der Einheimische wie Gäste fasziniert.

Am Anfang stand eine Vision

Der Name „Ovaverva“ ist dem Rätoromanischen entlehnt und steht für lebendiges, sprudelndes Wasser. Südwestlich des Kurparks gelegen dehnt sich der weiße Flachbau zwischen den historischen Prunkbauten der Nachbarschaft aus. Die Planer entschieden sich bewusst dafür, die Höhe der umliegenden Bauten nicht zu überschreiten um eine vornehme Zurückhaltung gegenüber des historischen Umfeldes zu wahren. Ein Understatement – denn das Ovaverva zieht mit seiner strahlend hellen Kunststeinfassade alle Blicke auf sich. Doch das Hallenbad mit Spa und Sportzentrum ist nicht einfach nur ein gelungener architektonischer Coup. Am Anfang der Planungen stand die Vision, einen Ort zu schaffen in dem Sport, Spaß, Geselligkeit aber auch Ruhe und Erholung Platz finden – für Einheimische wie Gäste gleichermaßen. Doch nicht nur das. Angelehnt an das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit sollte das Ovaverva neben gesellschaftlichem und ökonomischem auch einen ökologischen Nutzen bringen. So wurde nicht nur das Stadtquartier aufgewertet sondern auch eine besonders hohe Umweltverträglichkeit erreicht.

Stringenter Flachbau mit komplexem Innern

Von außen beschränkt sich der stringente Flachbau auf eine dreiteilige Gliederung. Die offene Hauptebene mit ihrer hohen Glasfassade und umlaufenden Stützen liegt zurückversetzt auf einem geschlossenen Sockel, den Abschluss bildet das auskragende Flachdach. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Dreifachverglasung umgibt die Bäderebene in regelmäßigen Modulen, wobei sich die Seitenansichten des quadratischen Grundrisses nur marginal unterscheiden: Auf der südöstlichen, dem Kurpark zugewandten Seite, bildet die zurückversetzte Verglasung auf der Bäderebene einen Terrassenbereich. Die Eingangsfront wiederum empfängt den Besucher mit einer flach geneigten Platzanlage, die sich wie ein Trichter in Richtung Eingang verjüngt. Alle tragenden Elemente wurden in massiver Weise aus Stahlbeton hergestellt. Vertikale Schächte, die Fluchttreppen und Lifte sowie den „Funtower“ umschließen, sorgen für zusätzliche Stabilität und Erdbebensicherheit. Das reduzierte Äußere lässt dabei kaum auf den komplexen Innenaufbau schließen, wodurch der Betrachter umso beeindruckt ist, sobald er die fünf Meter hohe Säulenhalle des Eingangs- und Garderobengeschosses betritt.

Action trifft Wellness

Besucher betreten das Ovavera direkt am Sockel, im tiefsten Geschoss des Flachbaus. Hier befinden sich Empfang und Garderobe in einer fünf Meter hohen Säulenhalle. Dunkle, edle Materialien kreieren eine erhabene Raumstimmung, ein innenliegendes, großrahmiges Fenster lenkt den Blick auf das zentrale, helle Treppenhaus, das bis hinauf in das Dachgeschoß führt. Ein einziges, großzügiges Oberlicht flutet die gesamte Treppenanlage mit Licht. Über dem Garderobengeschoss liegt das Technikgeschoss, welches als „Blindgeschoss“ ausgebildet ist und neben Zuleitungen, Filter- und Technikanlagen sowie Ausgleichsbecken für die Wasserhygiene die Verwaltungsbüros und die Anlieferzone beherbergt. Darüber liegt das Hauptgeschoss, das Herz des Ovaverva, die Bäderebene mit Fitnessbereich. Direkt auf dem Sockel platziert bietet sie einen raumgreifenden Blick über die Engadinger Berglandschaft. Zäune oder andere Sichtgrenzen gibt es nicht, denn der Außenbereich ist nur über das Bad erschlossen. Statisch bedingte Stützkerne, ummantelt mit weißem Glasmosaik, trennen die Badezonen optisch und akustisch in belebte Becken und Ruhezonen. Neben einem Sprungbecken mit zwei Ein-Meter-Brettern und einer Drei-Meter-Plattform gibt es ein separates Lernschwimmbecken, einen Plansch- und Spritzbereich, ein Schwimmerbecken mit 25-Meter-Bahn, sowie ein Aussenbecken mit Massagedüsen und Sprudelliegen. Der sogenannte „Funtower“ bietet mit seinen drei Rutschen Spaß und Action für die jüngere Generation. Grosszügige Ruhezonen und Entspannungsbereiche laden zum Verweilen ein. Den krönenden Abschluss des Bauwerks bildet das Dachgeschoss mit seiner exklusiven Wellnesslandschaft. Kneipp- und Dampfbäder, Massage und Kosmetik, Bio- und Finnensaunas – geschützt vor äusseren Einblicken ist hier Platz für Ruhe und Intimität.   Direkt an das Ovavera angeschlossen sind außerdem ein Fitnesssutdio und Outdoorzentrum, in dem Besucher weitere sportliche Herausforderungen finden.

Lichtspiele und Natürlichkeit

Für der Komposition der Raumstimmungen kreierten die Architekten ein lebendiges Zusammenspiel unterschiedlicher Oberflächen. Wo immer möglich wurden natürliche Materialien verwendet: Natur- und Kunststein, Keramik und Mosaike sowie Holz und Baubronze. Im Garderobengeschoss sorgen Wände aus Sichtbeton mit einem silbrig-goldenen Anstrich, Einbaumöbel aus dunkler Räuchereiche und Böden aus anthrazitfarbenem Hartbeton für einen gediegenen Empfang. Die Bäderzone wird dagegen von hellem, im Sonnenlicht glitzernden Silberquarzit illuminiert. Die Glasfassade erlaubt den Blick nach draußen schweifen zu lassen, wo sich die Landschaft je nach Jahreszeit mit schneebedeckten Gipfeln oder grünen Berghängen präsentiert. Im Außenbereich ergänzen sich heller Boden aus Naturstein und ein Geländer aus warm schimmernder Baubronze zu einem harmonischen Lichtspiel. Die Spa-Landschaft wiederum prägt lasiertes Vollholz aus Weisstanne, das Wände, Decken und Böden bedeckt. Hier lassen nur wenige große Öffnungen den Blick in die Landschaft zu, Intimität und Geborgenheit stehen stattdessen im Vordergrund. Diese vielen unterschiedlichen Raumatmosphären sind es, die dem Bad seinen unverwechselbarer Charakter verleihen und das Ovaverva für ruhesuchende wie aktive Besucher gleichermaßen interessant machen.

Nachhaltiges Energiekonzept

Als Trägerin des Schweizer Labels „Energiestadt“ hat sich St. Moritz der Reduktion von CO2-Emissionen sowie der Förderung erneuerbarer Energien verpflichtet. All dies wurde auch bei der Erstellung des Energiekonzeptes für das Ovaverva berücksichtigt. Der Wärmebdarf wird über hauseigene Grundwasserwärmepumpen mit interner Wärmerückgewinnung sowie mit Fernwärme aus dem Seewasserwärmeverbund gedeckt. Die Brauchwassererwärmung erfolgt über eine Abwasser-Wärmerückgewinnung, für die das gesamte im Gebäude anfallende Abwasser in einem zentralen unterirdischen Schacht gesammelt wird. Nachts wird das Wasser der Außenbecken in ein innenliegendes Speicherbecken gepumpt, damit nicht unnötig Wärme an die Außenluft abgegeben wird. Am nächsten Morgen wird es dann wieder nach draußen gepumpt. Die Erwärmung der Bäderzonen erfolgt über Lufteinblasung entlang der Glasfassade, sowie über die passiv-solare Energie des einfallenden Sonnenlichts. Außer im Restaurantbereich wurde deshalb auch auf eine Beschattung verzichtet. Da sowohl das Technikgeschoss als auch die Bäderebene Wärme an das jeweils darüber gelegene Geschoss abgeben, benötigte man keine zusätzliche Fußbodenheizung. Seinen Strombedarf deckt das Hallenbad ausschließlich aus Wasserkraft der Energiewerke St. Moritz. Damit dürfte das Ovaverva nicht nur ein Vorbild in Sachen Bäderarchitektur, sondern auch hinsichtlich eines intelligenten Energie- und Ressourcenmanagements sein.

Das Architekturfotografie-Projekt ist im Rahmen einer BAUWERK Objektreportage entstanden.

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

Architekturfotografie Ovaverva Hallenbad Sankt Moritz

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