Sparkasse Ulm

Architekturfotografie Erweiterung Sparkasse Ulm

Architekturfotografie Ulm: In Ulm ist mit dem Neubau der örtlichen Sparkasse ein Bauwerk entstanden, das mit einer expressiven Fassade aus zickzackförmigen Fensterbändern, die im Kontrast zur Mauerwerksfassade aus recycelten Bachsteinen stehen, zu gefallen versteht.

Konzipiert von den Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei (LRO) aus Stuttgart rezipiert der Neubau aus recyceltem Ziegelstein und zickzackförmig auskragenden Edelstahlfenstern die historische Stadtumgebung und verweist gleichzeitig auf die Architektur der Moderne. Wie ein Prisma reflektiert die Fassade umliegende Strukturen und fügt sich dadurch nahtlos aber selbstbewusst in das altgewachsene Stadtviertel ein. Als Bauherrin hatte die Sparkasse Ulm im Jahr 2008 einen Wettbewerb ausgelobt, den LRO für sich entscheiden konnten. Ursprünglich war vorgesehen, das nebenstehende Gebäude aus den 1950er Jahren zu bewahren und zu sanieren, jedoch ergab die Analyse, dass ein Abriss und Neubau wirtschaftlich rentabler seien. LRO realisierten daher nur den Neubau der Sparkassenerweiterung, der im Jahr 2015 fertiggestellt wurde, wobei sich die Architekten ganz auf die harmonische Kommunikation zwischen Neu und Alt konzentrierten.

Städtebauliche Situation

Das Ulmer Fischerviertel, malerisch an der Donaumündung gelegen, ist für seine idyllischen Gässchen, Brücklein und historischen Fachwerkbauten bekannt und beliebt. Bereits in den 1970er Jahren wurden jedoch Forderungen laut, die als scharfe Trennlinie durch den Stadtkern empfundene „Neue Straße“ umzugestalten und den Innenstadtbereich so zu vitalisieren. Im Jahr 2000 beschloss schließlich der Gemeinderat der Stadt Ulm das Konzept „Neue Mitte“ mit dem Ulm an Stadtqualität zurückgewinnen sollte. Handel, Dienstleistungen und Kultur sollten wieder zusammenrücken und so Zukunft gestaltet werden. 2008 lobte auch die Sparkasse Ulm einen Wettbewerb für einen Erweiterungsbau ihres Verwaltungsgebäudes aus, das sich direkt an die in den 1960er Jahren errichtete Hauptstelle in der Neuen Straße West anschließt. Angrenzend an das Sparkassengebäude von Stephan Braunfels von 2006 liegt es direkt dem Renaissancegebäude „Neuer Bau“ gegenüber. Für die Architekten stand daher die Frage im Mittelpunkt, auf welche Weise sich mit dem Neubau der größte Mehrwert erzielen ließe. Denn das Gebäude sollte einerseits mit dem massiven Ziegelmauerwerk des „Neuen Bau“ aus dem 16. Jahrhundert harmonisieren und gleichzeitig auf Moderne und Zukunft rekurrieren.

Harmonie zwischen Neu und Alt

Gemeinsam mit drei weiteren Neubauten und dem „Neuen Bau“ aus dem 16. Jahrhundert entsteht so eine Torsituation für die „Neue Mitte“, die heute Zentrum des urbanen Geschehens ist. Den Geländevorsprung des historischen Stadtkerns übersetzen die Architekten in die Geschossstaffelung, sodass sich der Verwaltungsbau über sechs beziehungsweise sieben Stockwerke erstreckt, wobei die Staffelung bis zum Dachgeschoss sichtbar bleibt. Die Firsthöhe wurde dabei ebenfalls an den „Neuen Bau“ angepasst. LRO entschieden sich zudem für eine Fassade aus recyceltem Ziegelmauerwerk. Einerseits, um einen harmonischen Bezug zum historischen Stadtbild herzustellen, andererseits aus Gründen der Nachhaltigkeit und dem Prinzip der geschlossenen Stoffkreiskläufe, auch unter dem Begriff Ökoeffektivität zusammengefasst: Statt gebrauchte Rohstoffe zu entsorgen, erhalten diese einen neuen Lebenszyklus. 125.000 recycelte Klinkersteine waren nötig, um die Fassade umlaufend zu verkleiden. LRO konnten die Bauherrin dank ihrer Erfahrung mit dem wertvollen Rohstoff von dessen Vorteilen überzeugen. Trotz der historischen Anmutung des Klinkers sollte der Kreis zur Moderne geschlossen werden. Dazu entwarfen die Architekten zickzackförmig auskragende Fensterbänder aus Edelstahl. Die Gebäudehülle wird so zum einem Prisma, in dem sich das historische Umfeld wie in einem Kaleidoskop bricht. Fällt Sonnenlicht auf die Erker, entsteht zudem ein kubistisches Schattenspiel auf der Fassade. An der Gebäuderückseite ergänzen runde Fenster die Geometrie, zur Neuen Straße hin bestimmen doppelgeschossige Arkaden den Eingangsbereich.

Aufenthaltsqualität durch kleine Parzellen

Die innere Struktur des Gebäudes wird durch eine klare Raumaufteilung definiert. Die Vor- und Rücksprünge in der Fassade lassen kleine Büroräume mit Erkern und hoher Tageslichtausbeute entstehen – ein Büroraster, der sich laut Architekten erfahrungsgemäß einer hohen Akzeptanz erfreut. Alle Büros sind um einen Kern mit Nebenräumen, Zuwege und Teeküchen angeordnet. Weiß, Anthrazit und helles Birkenfurnier bestimmen die Farbigkeit der Innenräume, ergänzt durch warmweißes LED-Licht. Alle Oberflächen sind streng reduziert gehalten, auf Wandschmuck wurde verzichtet. Weiß lackierte Systemtrennwände mit durchgehenden Oberlichtbändern unterteilen die Flächen in die verschiedenen Parzellen. Während der Eingangsbereich klassisch im Erdgeschoss liegt, befindet sich im zweiten Untergeschoss ein direkt von der Straße zugänglicher Veranstaltungsraum. Im ersten Untergeschoss richteten die Planer eine eigens für Fahrräder vorgesehene Garage ein. Die PKW-Stellplätze wiederum teilt sich die Verwaltung mit dem Nachbargebäude. Beide sind sowohl in den Untergeschossen als auch im dritten Obergeschoss über einen Steg verbunden.

Funktionelle Architektur

Die Außenwand wurde aus 18 Zentimetern Dämmung, zwei Zentimetern Luftschicht und Klinkern aufgebaut. Da es sich bei den Klinkern um wiederverwendetes Material handelt, weisen die einzelnen Steine unterschiedliche Breiten auf. Dank der sauberen Ausführung konnten diese jedoch gut kaschiert werden. Lediglich über den Fenstern wurden gezielt Luftschlitze zwischen den Klinkern belassen, sodass die Luft hinter der Fassade zirkulieren kann. Die größte Herausforderung lag laut den Architekten im Sonnenschutz. Denn aus gestalterischen Gründen konnte man sich weder für eine innen-, noch für eine außenliegende Variante entscheiden. Bauherrin und Planer einigten sich schließlich auf Lamellen, die im Fensterzwischenraum der Dreifachverglasung liegen und von der Gebäudeleittechnik gesteuert werden. Vier Mal am Tag werden sie den Lichtverhältnissen angepasst, können jedoch auch manuell gesteuert werden.  Das System überzeugt nicht nur durch seine optische Kompromisslosigkeit: die in Glas gefassten Lamellen müssen nicht gereinigt werden und müssen bei Wind nicht hochfahren. In technischer, gestalterischer sowie ressourcenstrategischer Hinsicht schufen die Planer mit der Sparkassenerweiterung ein Gebäude, das die Vorzüge von Alt und Neu in architektonischer sowie funktioneller Weise harmonisch vereint.

Das Architekturfotografie-Projekt wurde im Rahmen einer BAUWERK-Dokumentation umgesetzt.

Architekturfotografie Erweiterung Sparkasse Ulm

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Architekturfotografie Erweiterung Sparkasse Ulm

Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

Homepage der Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei
Erweiterung der Sparkasse Ulm bei baunetz.de