U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring München

Architekturfotografie U-Bahn Station Georg-Brauchle-Ring München

Architekturfotografie München: Der U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring der Münchner U-Bahn ist unter der Hanauer Straße gelegen, direkt an der Grenze der Stadtteile Moosach und Milbertshofen. Benannt ist er ebenso wie der kreuzende Georg-Brauchle-Ring nach dem ehemaligen 2. Bürgermeister Münchens, Georg Brauchle. Der 7,50 Meter hohe, säulenlose Bahnhof wurde am 18. Oktober 2003 eröffnet. Er ist der erste U-Bahnhof einer Generation von Kunstbahnhöfen. Zwei riesige Farbrasterwände aus 400 Metalltafeln zeigen unterschiedliche Fotografien, Malereien, Post- und Landkarten mit Motiven aus aller Welt.

So praktisch sie als öffentliche Verkehrsmittel sind, so unnatürlich muten ihre tiefen Schächte an, die weit unter der Erde in eine eigene Welt zu münden scheinen. Nicht umsonst sind sie ein beliebter Schauplatz in Spielfilmen, wenn der Showdown einer Verbrecherjagd beginnt oder die Gauner sich erfolgreich den Fängen der Gesetzeshüter entziehen. Doch gerade aufgrund der oftmals beklemmenden Atmosphäre rücken U-Bahnstationen in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend in den Fokus architektonischer Betrachtung. Waren die Wartehallen und Bahnsteige der 1960er Jahre noch von strengen Idealen wie etwa dem Bauhaus geprägt, so zeichnen sich jüngere Stationen häufig durch aufwendige Gestaltungskonzepte, Lichtinstallationen oder künstlerische Aufwertung aus. Farben, geschwungene Linien und ein Spiel verschiedener Oberflächen prägen diese neue Generation von Untergrundarchitektur. Ein besonderes Beispiel ist der U-Bahnhof ‚Georg-Brauchle-Ring‘ in München. Als erster ‚Kunstbahnhof‘ entstand er im Rahmen des Kunst-am-Bau-Programmes der bayerischen Landeshauptstadt. Verantwortlich für die künstlerische Umsetzung war der Berliner Maler und Kunstprofessor Franz Ackermann, der den ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden hatte. ‚Die große Reise‘, wie seine Wandgestaltung titelt, erhielt im Jahr 2005 den mfi Preis Kunst am Bau 2005.

Die Welt als Testbild

Insgesamt 400 Metalltafeln bilden zwei überdimensionale Farbrasterwände. Jede Tafel wiegt rund 135 Kilogramm, pro Wand sind das knapp 30 Tonnen. Auf den ersten Blick erinnert die Wandgestaltung an das klassische Testbild. Ob hierin eine Anspielung auf die programmfreien Zeiten im früheren Analog-Fernsehen liegt, in denen dem Betrachter eben nur das Muster des Testbild es vor Augen flimmerte? Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich jedoch zahlreiche Details zwischen den unzähligen monochromen Farbfeldern. Neben den Grund- und Sekundärfarben zeigen die einzelnen Module in Form von Fotografien, Malereien, Post- und Landkarten verschiedenste Darstellungen aus der näheren Umgebung des Bahnhofs aber auch aus aller Herren Länder. Alle Rechtecke weisen das Seitenverhältnis zwei zu eins auf, wodurch sich trotz der unterschiedlichen Farben und Abbildungen ein homogenes Erscheinungsbild ergibt. Die Pluralität der großen weiten Welt wird gleichsam in einer klaren räumlichen Gliederung gebündelt. Eine spiegelnde Decke aus poliertem Edelstahl fungiert als Symmetrieachse, die den Eindruck eines Rorschach-Faltbildes erweckt. In 7,5 Metern höhe schwebt sie über Gleisen und Bahnsteig und dupliziert dadurch die Raumwirkung nochmals. Ganz bewusst hatten sich Planer und Künstler an dieser Stelle von den drückenden, abgehängten Decken der früherer Bahnhofsgenerationen distanziert und stattdessen ein offenes und schwereloses Raumgefüge erschaffen. So wurde der Georg-Brauchle-Ring dann auch an seinem Eröffnungstag von der Münchner Abendzeitung als „Münchens schönster U-Bahnhof“ gefeiert.

Geradlinige Raumwirkung

Die Bauplanung des Rohbaus sowie des Innenbaus wurde vom Baureferat, Hauptabteilung U-Bahnbau in Zusammenarbeit mit Architekt Burkhard Schäffer durchgeführt. Die Tragwerksplanung übernahm das Ingenieurbüro Dr. Rüdiger Müller. Nach rund vierjähriger Bauzeit wurde der Bahnhof am 18.10.2003 eröffnet. Benannt nach dem zweiten Bürgermeister Münchens, Georg Brauchle, bildet er den Anschluss des Gewerbegebietes rund um den Uptown München Turm an das öffentliche Verkehrsnetz. Er befindet sich direkt unter der Hanauer Straße wo er den Stadtteil Moosach, den Westfriedhof sowie den Olympia-Park tangiert.  Während das südliche Sparrengeschoss einen Kiosk beherbergt wurde das nördliche deutlich kleiner ausgeführt. Die selben Edelstahltafeln wie in der Wartehalle sorgen hier für eine klare Gestaltung und Gliederung, jedoch in grau-silberner statt in bunter Ausführung. Durch sie gelangt man direkt in die säulenlose Bahnsteighalle, die geradlinig und übersichtlich aufgebaut ist.  Helle Bodenflächen nehmen die Raumgestaltung von Decke und Wänden auf und vervollständigen den offenen Gesamteindruck. Durch die Nähe zum Olympia-Park, dem Olympia-Einkaufszentrum, die Anbindung an den Stadtteil Moosach sowie das übrige Münchner U-Bahnhof verzeichnet die Station Georg-Brauchle-Ring eine hohe Nutzerfrequenz mit ortsansässigem wie internationalen Publikum. Ankommende und Abfahrende dürften hier gerne in der Hektik des Alltags innehalten, um sich für einen Moment auf eine visuelle Reise in die Welt des Künstlers mitnehmen zu lassen.

Das Architekturfotografie Projekt wurde im Rahmen einer BAUWERK-Dokumentation umgesetzt.

Weitere Informationen zum Architekturfotografie Projekt:

U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring bei U-Bahn München
U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring bei Stadt München