Zur Schwarzen Mutter Gottes Prag

Architekturfotografie Kubismus Haus zur Schwarzen Mutter Gottes Prag

Architekturfotografie Prag: Der Kubismus spaltete die Kunstwelt des frühen 20. Jahrhunderts. Tschechische Künstler übertrugen diese eigentlich aus der Malerei und Bildhauerei stammende Stilrichtung auch auf Architektur und Gebrauchsgegenstände. Besonders eindrucksvoll lässt sich dies im Haus zur Schwarzen Mutter Gottes erleben.

Eigentlich stellt der Kubismus eine Stilrichtung der Malerei und Bildhauerei im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts dar, hervorgegangen aus der politisch-künstlerischen Bewegung der Avantgarde. In Tschechien und insbesondere in Prag bildete sich jedoch um das Jahr 1910 eine Gruppe junger Avantgardearchitekten, welche die kubistischen Prinzipien der Maler Pablo Picasso und George Braque auf die Architektur sowie des Design von Gebrauchsgegenständen wie Möbel und Kunsthandwerk applizierten. Nirgendwo ist dies besser zu sehen als im Haus zur schwarzen Mutter Gottes. Das 1912 nach dem Entwurf von Architekt Josef Gočár in Prag errichtete Gebäude zählt zu den ältesten kubistischen Gebäuden der Stadt. In der Prager Altstadt wacht es über die Straßenecke Celetná und Obstmarkt. Der Kaufmann František Josef Herbst hatte Gočár beauftragt, inmitten der barocken und neobarocken Nachbarhäuser ein modernes Kaufhaus entstehen zu lassen. Gočár erhielt zwar die Anweisung, sich an die Kubaturen und Höhen der umliegenden Gebäude zu halten, dennoch sollte „die Fassade im modernen Stil als Ausdruck der architektonischen Auffassung der heutigen Zeit und als Werk, das den modernen Anforderungen entspricht“, gestaltet werden. Vom barocken Vorgängerbau des Gebäudes wurde lediglich die schwarze Madonnenstatue erhalten, die ein Fassadeneck noch heute ziert und so zur Namenspatronin wurde.

Faszination der Geometrie

Architekt Gočár bediente sich zur Realisierung des Gebäudes einer neu entwickelten Konstruktion aus Eisenskelett. Damit konnte er auf viele tragenden Wände verzichten und das erste Obergeschoss als einen einzigen Raum ausführen, unterbrochen lediglich durch die Windung des Treppenhauses. Insgesamt sechs Geschosse, vier davon als Vollgeschosse und die obersten beiden als zurückspringende Dachgeschosse, bilden das Haus zur Schwarzen Mutter Gottes. Während das Untergeschoss als Schaufensterfront gearbeitet wurde, sind die ersten drei Obergeschosse mit gleichmäßigen Fensterreihen ausgestattet. Fensterblenden im ersten und zweiten Geschoss wurden für Beschriftungen genutzt und geben heute Auskunft über die Funktion des Gebäudes. Die beiden unter einem Mansardendach zurückspringenden Dachgeschosse schließlich wurden mit Erkerfenstern versehen. Wie für den Kubismus typisch ist die Fassade durch verschiedene geometrische Grundformen in einzelne Flächen gegliedert, die sich jedoch allesamt aufeinander beziehen. Würfel und Dreiecke erzeugen eine kristalline Wirkung, Licht und Schatten verleihen der Fassade eine Plastizität, die an die Skulptur eines Bildhauers erinnert. Klare Kanten bestimmen die Erscheinungsform und die in einem dunklen aber warmen Orangebraun gehaltene Farbe stellt einen deutlichen Kontrast zu den wesentlich helleren Fronten der Nachbarhäuser dar.

Lebendes Museum

Gočár konnte seinen kubistischen Ansatz überwiegend an der Fassade zum Ausdruck bringen. Die Grundrisse beließ man konventionell und versuchte stattdessen, die Stilrichtung im Treppenhaus und in der Möblierung sowie allgemeinen Ausstattung wieder aufzunehmen. So ist auch das gesamte Interieur des im ersten Stock befindlichen Grand Café Orient ein Entwurf Gočárs. Die originale Einrichtung stellte man 2005 erfolgreich wieder her. In den Jahren 2003 bis 2012 betrieb die Nationalgalerie Prag hier das Tschechische Kubismus-Museum. Im Jahr 2010 erklärte man das Haus zum Nationalen Kulturdenkmal. Heute beherbergen das zweite und dritte Stockwerk eine Dauerausstellung zum Tschechischen Kubismus, die einen Querschnitt durch die gesamte Epoche darstellt und insbesondere das Interieur-Werk der Jahr 1911 bis 1914 zeigt. Von kubistischen Couchgarnituren über Lampen bis hin zu Gebrauchsgegenständen wie Gläser, Vasen oder Tassen findet der Betrachter hier den Kubismus in all seinen Facetten vor. Und wer sich den Kubismus im wahrsten Sinne des Wortes einverleiben möchte hat die Möglichkeit, im Kaffeehaus einen kubistischen Spritzkuchen zu sich zu nehmen.

Das Architekturfotografie-Projekt wurde im Rahmen einer BAUWERK Denkmaldokumentation umgesetzt.

Architekturfotografie Kubismus Haus zur Schwarzen Mutter Gottes Prag

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Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

Das Haus zur Schwarzen Mutter Gottes bei prague.eu