Architekturfotografie

Architekturfotografie – ein ganz eigenes Metier

Die Architekturfotografie setzt sich mit der fotografischen Abbildung von Architektur auseinander. Sie kann den Entstehungsprozess eines Gebäudes begleiten, das geschaffene Bauwerk inszenieren und historische Gebäude in neuem Kontext inszenieren. Doch was macht gute Architekturfotografie aus und warum lohnt es sich für den Kunden, in einen professionellen Fotografen zu investieren?

 

Man könnte meinen, Architektur zu fotografieren sei keine schwere Kunst. Gebäude können nicht weglaufen, bekommen keine Falten und widersprechen dem Fotografen nicht. Dennoch können sie launische Diven sein, besonders, wenn der Fotograf vergebens auf das richtige Licht wartet oder eine bestimmte Intention des Architekten umsetzen soll. Gerade weil sich Architektur nicht wie im Studio beliebig inszenieren und lichttechnisch gestalten lässt, stellt die Architekturfotografie das menschliche Auge, das Organisationstalent des Fotografen und die Kameratechnik vor einige Herausforderungen. Von Dokumentation und Rezeption über Interpretation und Inszenierung, es gibt viele Herangehensweisen, die letztlich von den Wünschen des Auftraggebers und der Bildsprache des Fotografen bestimmt werden.

Den Architekten und seine Architektur verstehen

Bei einer Auftragsarbeit sollte sich die Herangehensweise des Fotografen ganz nach den Wünschen und Intentionen des Architekten bzw. Auftraggebers richten. Dies wird nur durch intensive Recherche, der Auseinandersetzung mit dem Gesamtwerk des Architekten und Gesprächen zwischen Auftraggeber und Fotograf möglich. Der Architekt kann die Essenz des Gebäudes meist aus dem Entstehungsprozess heraus vermitteln, so dass der Fotograf in der Lage ist, den Fokus entsprechend zu setzen. In diesem Dialog entsteht schließlich eine Inszenierung, die dem Gebäude den intensivsten Ausdruck verleiht und dem Werk des Architekten vollends Rechnung trägt.

So entsteht professionelle Architekturfotografie

So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Auch wenn Architektur – abgesehen von Innenaufnahmen – nicht wie eine Studioaufnahme inszeniert wird, ist der Fotograf trotzdem für die Motivwahl verantwortlich. Der optimale Betrachtungswinkel und Bildausschnitt müssen bestimmt, die Szenerie idealerweise von parkenden Autos, Mülltonnen, und ähnlichem befreit werden, schließlich die richtige Lichtstimmung abgewartet und die geeignete Technik mit den korrekten Einstellungen gewählt werden. Dies erfordert eine intensive Recherche, Planung und Beobachtung, bevor es zur ersten Belichtung kommt. Jeder Fotograf entwickelt letztlich eine eigene Bildsprache deren Aufgabe es ist, die verschiedenen Linien, Dimensionen, Formen, Strukturen und Flächen eines dreidimensionalen Raumes oder Gebäudes zu analysieren, sie zu ordnen und schließlich auf einen zweidimensionalen Druck oder Bildschirm zu bündeln. Ein gutes Architekturfoto ist somit Vermittler zwischen dem Raum, dem Werk des Architekten und der ästhetischen Rezeption. Ziel ist eine Synthese aus Ästhetik und Dokumentation, die jedoch auch in einer völligen Neuinszenierung gipfeln kann.

Fotografisches Handwerk und Bau-Know-how – eine ideale Kombination

Architektur und Kunst sind eng miteinander verbunden. Es verwundert daher nicht, dass viele Architekturfotografen auch aus persönlichem Interesse intensiv mit der Bauthematik vertraut sind. Ein Verständnis für die grundlegenden Architekturformen, für die Charakteristika eines Baustils oder besondere Merkmale eines Gebäudes sind unerlässlich, um Architektur eindrucksvoll im Foto bannen zu können. Ein guter Fotograf ist somit in der Lage, fotografische Ästhetik und technische Dokumentation miteinander zu verbinden. Besonders bei anspruchsvoller Architektur wird damit sowohl dem Design als auch der Funktionalität eines Gebäudes Rechnung getragen. Professionelle fotografische Kenntnisse und Kameratechnik sind dabei genauso unerlässlich wie eine sensible aber gründliche Nachbearbeitung der Fotos am Bildschirm. Die technisch und ästhetisch einwandfreie Erfassung der architektonischen Essenz ist es, die den Betrachter letztlich in ihren Bann zieht.

Wer braucht gute Architekturfotografie?

Häufig wird Architekturfotografie eher mit künstlerischer Auseinandersetzung und Wertschöpfung assoziiert, als mit zweckmäßigem Fotografenhandwerk. Doch in Zeiten des visuellen Marketing werden hohe Erwartungen an die Präsentation von Objekten gestellt, sei es über Webseiten oder über ein klassisches Portfolio. Architekten selbst aber auch Planungsbüros, Investoren, Baugesellschaften sowie Bauherren bis hin zu Bauprodukteherstellern und Immobilienverwaltungen sollten sich daher die Bedeutung und Wirkkraft anspruchsvoller Architekturfotografie bewusst machen. Architekturfotografie wird häufig mit einem fertigen Gebäude assoziiert, aber bereits der Entstehungsprozess, von der Planung über das Richtfest bis zur Übergabe an den Bauherrn sind es wert, dokumentiert zu werden. So wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Arbeit und die Herangehensweise lückenlos dokumentiert und im Portfolio den potentiellen Kunden, Käufern, Auftraggebern und Investoren präsentiert.

Leistungen eines professionellen Architekturfotografen

Zunächst sollte sich ein beauftragter Architekturfotograf Zeit nehmen, die Wünsche seines Kunden zu ermitteln. Fragen wie: „Wo und für welchen Zweck soll ein Gebäude zur Präsentation abgebildet werden?“, oder „Welcher Eindruck, welche Assoziationen sollen beim Betrachter hervorgerufen werden?“, gilt es zu klären. Besonders bei öffentlichkeitswirksamen und bekannten Gebäuden sollte sich der Fotograf mit der Entstehungsgeschichte und den Intentionen des Architekten auseinandersetzen.  Schließlich muss die Bildidee professionell umgesetzt, das Gebäude von seiner besten Seite aus inszeniert werden. Stilmittel wie Langzeitbelichtung, das Fotografieren zur blauen Stunde oder auch Aufnahmen mit Drohnen oder sogar aus dem Helikopter erfordern ein hohes Maß an technischem Know How und Erfahrung, mit denen ein professioneller Architekturfotograf die Architektur und Ästhetik aber auch besondere Charakteristika eines Bauwerks samt der Einbettung in die Umgebung und dem Zusammenspiel mit anderen Gebäuden einzufangen weiß. Die Entsprechende Nachbearbeitung im digitalen Workflow gehört dabei genauso zu den Aufgaben, wie die anschließende Bildauswahl und Beratung hinsichtlich Druck und Präsentation.

Darum lohnt sich gute Architekturfotografie

Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Ein aus professionellen Fotografien aufgebautes Portfolio ist in mehrerlei Hinsicht äußerst nützlich und bildet das Fundament des öffentlichen Auftrittes für Marketing, Werbung und Unternehmensprofil.

Von der reinen Dokumentation, also der Erfassung von wesentlichen Eigenschaften wie Stil, Materialien oder auch der unmittelbaren Umgebung wie Grünanlagen oder ähnlichem über die Rezeption und öffentliche Diskussion eines Architekten bis hin zur Interpretation und Neuinszenierung durch den Fotografen: all dies bedeutet Aufmerksamkeit die in der Lage ist, die Reputation eines Architekten oder Bauherren zu steigern und ein Objekt in den Fokus des öffentlichen oder fachlichen Interesses zu rücken. Wer also wahrgenommen werden und sich von der Konkurrenz abheben will, sollte die Macht der Bilder nutzen und in das richtige Licht professioneller Architekturfotografie investieren.

Hat die Architekturfotografie ausgedient?

Digitalmodell oder Fotografie, virtuelle oder reale Welt? Auch in der Architektur scheiden sich hieran die Geister. Werden computergestützte 3D-Modelle das Fotografieren in Zukunft ablösen oder ist gerade die klassische Architekturfotografie der Schlüssel, ein Bauwerk wahrnehmbar zu machen?

Das Ende der Architekturfotografie?

Das Ende der Architekturfotografie?

3D-Visualisierungen sind ein ideales Instrument, um in der Planungsphase Ideen und Konzepte aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln anschaulich darstellen zu können. Beim Building Information Modeling, kurz BIM oder zu Deutsch Bauwerksdatenmodellierung, wird ein Gebäude bis ins Detail zuerst digital errichtet, ehe es real erbaut wird. BIM-Modelle liefern neben gestalterischen Aspekten wie Linien, Flächen und Volumen auch Auskunft über verwendete Materialien sowie bautechnische Spezifikationen. Hilfreich ist dies neben der Projektplanung und Dokumentation auch zur Vorabvermarktung anstehender Bauvorhaben.

Virtuelles Planen erschafft die Architektur von morgen

Zweckdienlich sind BIM und 3D-Visualisierungen durchaus. Laut Experten soll BIM aufgrund seiner vielen Einsatzmöglichkeiten auch der künftigen Gebäudepräsentation dienen und den klassischen Modellbau ablösen. Zweifel kommen jedoch auf, ob allein virtuelle Modelle das erschaffene Bauwerk und damit die Arbeit des Architekten angemessen würdigen können, sie vor Augen führen und erfahrbar machen. Im Unterschied zum computergenerierten 3D-Modell ist die Architekturfotografie voller Bannkraft und Emotionen. Diese sind wichtige Kriterien für Architekten, um sich mit ihrer Referenz vom Wettbewerb abheben zu können.

Architekturfotografie macht Objekte lebendig

Im Gegensatz zum Computermodell, dessen Basis Zahlen und elektronische Daten bilden, setzt ein Fotograf das reale Bauwerk bewusst in Szene. Gesichtspunkte wie Umgebung, Wetter und Licht werden in die Bildkomposition mit einbezogen. Spiegelungen, Schatten, Symmetrie – subtil und ästhetisch erzeugen gestalterische Stilmittel mit angemessener Kameratechnik Emotionen, die den Betrachter in den Bann ziehen. Ein gutes Architekturfoto trägt sowohl dem Design, als auch der Funktionalität eines Gebäudes Rechnung. Es vermittelt zwischen dem Werk des Architekten und der Rezeption. Künstlerische Darstellung und technische Dokumentation verschmelzen miteinander. Darum wird die Architekturfotografie auch in Zukunft zwei bedeutende Einsatzgebiete haben: die Entstehungsdokumentation, um die Bauphasen in technischer Hinsicht festzuhalten und die fotografische Abbildung realer Architektur, sowohl im Moment des gerade neu Entstandenen als auch in späteren Nutzungsphasen.

Architekten und Planungsbüros aber auch Bauherren und Investoren sollten sich deshalb der Bedeutung und Wirkkraft anspruchsvoller Architekturfotografie bewusst sein. Computergestützte 3D-Modelle sind ein zentrales Planungsinstrument, um Ideen und Konzepte aus sämtlichen Blickwinkeln zu veranschaulichen. Die Architekturfotografie wird jedoch die Königsklasse der Architektur- und Gebäudedarstellung bleiben.

Perspektiven in der Architekturfotografie

Perspektiven in der Architekturfotografie sollten wohl überlegt sein, um immer wieder mit neuen Atmosphären, Wirkungen oder Effekten zu überraschen. Mit der Abbildung eines Gebäudes aus mittlerer Augenhöhe und einem Objektiv mit Normalbrennweite in minimal geshifteter Einstellung bieten wir dem Bildbetrachter einen möglichst neutralen Anblick, der dem menschlichen Auge sehr nahe kommt. Mit leichten Panoramen lassen sich Gebäude aus ihrem Umfeld herauslösen.

Durch obersichtige Kamerastandpunkte vom Hochstativ, von einer Kameradrohne oder vom Hubschrauber aus, bieten wir dem Betrachter einen exzellenten Ausblick über das Gebäude und dessen Einpassung in die Umgebung. Bereits ein leicht erhöhter Standpunkt verdeutlicht die Einbindung eines Bauwerks in seinen Kontext. Obersichtige Standpunkte aus großer Höhe schaffen einen Eindruck von Weite, bei dem die Welt zu Füßen zu liegen scheint.

Mit der Wahl eines untersichtigen Standpunkts lassen wir Gebäude monumental erscheinen. Je nach Perspektive, Brennweite und dem resultierenden Bildausschnitt entsteht ein abstraktes Spiel mit Flächen und Formen. Je ungewohnter der Blickwinkel gewählt wird, umso schwieriger wird es für den Betrachter, das abgebildete Gebäude wiederzuerkennen.

Mit der bewussten Gliederung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund vermitteln unsere Durchblicke den Eindruck von Dreidimensionalität und Räumlichkeit – sie verdeutlichen die Einbettung eines Gebäudes in sein Umfeld. Je nach Perspektive und Brennweite kann die räumliche Orientierung reduziert und die Abstraktion erhöht werden.

Entgegen der Architekturfotografie, die einen Baukörper im Raum zeigt, stellen wir in der Innenraumfotografie einen begrenzten Raumkörper, bestimmt durch Raumvolumen, Raumfolgen und Raumdurchbrüchen dar. In der Zentral- sowie Zweipunktperspektive gewähren wir dem Betrachter einerseits einen klaren aufgeräumten Einblick, anderseits eine dynamische Bildwirkung. Bei der Innenraumfotografie versuchen wir darzustellen, was zur Funktionsklärung des Raumes unbedingt notwendig ist. Bei Verwendung extrem kurzer Brennweiten oder ungewöhnlicher Perspektiven lassen sich eine große räumliche Weite oder abstrakte künstlerische Darstellungen erzeugen.

Die Architektur von historischen Bauwerken bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Profanität und Faszinierendem. Bei deren Abbildung sehen wir nicht nur die reine Dokumentation, sondern auch die Inszenierung im Rückblick auf die Geschichte als unsere Aufgabe. Je nach gegenwärtiger Nutzung eines Gebäudes und dem damit verbundenen Zustand ist die Bandbreite zwischen adaptierter Architektur und sogenannten Lost Places enorm.

Architekturfotografie Barrandov Terrassen Prag

Architekturfotografie Barrandov Terrassen Prag