Hat die Architekturfotografie ausgedient?

Das Ende der Architekturfotografie

Digitalmodell oder Fotografie, virtuelle oder reale Welt? Auch in der Architektur scheiden sich hieran die Geister. Werden computergestützte 3D-Modelle das Fotografieren in Zukunft ablösen oder ist gerade die klassische Architekturfotografie der Schlüssel, ein Bauwerk wahrnehmbar zu machen?

3D-Visualisierungen sind ein ideales Instrument, um in der Planungsphase Ideen und Konzepte aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln anschaulich darstellen zu können. Beim Building Information Modeling, kurz BIM oder zu Deutsch Bauwerksdatenmodellierung, wird ein Gebäude bis ins Detail zuerst digital errichtet, ehe es real erbaut wird. BIM-Modelle liefern neben gestalterischen Aspekten wie Linien, Flächen und Volumen auch Auskunft über verwendete Materialien sowie bautechnische Spezifikationen. Hilfreich ist dies neben der Projektplanung und Dokumentation auch zur Vorabvermarktung anstehender Bauvorhaben.

Virtuelles Planen erschafft die Architektur von morgen

Zweckdienlich sind BIM und 3D-Visualisierungen durchaus. Laut Experten soll BIM aufgrund seiner vielen Einsatzmöglichkeiten auch der künftigen Gebäudepräsentation dienen und den klassischen Modellbau ablösen. Zweifel kommen jedoch auf, ob allein virtuelle Modelle das erschaffene Bauwerk und damit die Arbeit des Architekten angemessen würdigen können, sie vor Augen führen und erfahrbar machen. Im Unterschied zum computergenerierten 3D-Modell ist die Architekturfotografie voller Bannkraft und Emotionen. Diese sind wichtige Kriterien für Architekten, um sich mit ihrer Referenz vom Wettbewerb abheben zu können.

Architekturfotografie macht Objekte lebendig

Im Gegensatz zum Computermodell, dessen Basis Zahlen und elektronische Daten bilden, setzt ein Fotograf das reale Bauwerk bewusst in Szene. Gesichtspunkte wie Umgebung, Wetter und Licht werden in die Bildkomposition mit einbezogen. Spiegelungen, Schatten, Symmetrie – subtil und ästhetisch erzeugen gestalterische Stilmittel mit angemessener Kameratechnik Emotionen, die den Betrachter in den Bann ziehen. Ein gutes Architekturfoto trägt sowohl dem Design, als auch der Funktionalität eines Gebäudes Rechnung. Es vermittelt zwischen dem Werk des Architekten und der Rezeption. Künstlerische Darstellung und technische Dokumentation verschmelzen miteinander. Darum wird die Architekturfotografie auch in Zukunft zwei bedeutende Einsatzgebiete haben: die Entstehungsdokumentation, um die Bauphasen in technischer Hinsicht festzuhalten und die fotografische Abbildung realer Architektur, sowohl im Moment des gerade neu Entstandenen als auch in späteren Nutzungsphasen.

Architekten und Planungsbüros aber auch Bauherren und Investoren sollten sich deshalb der Bedeutung und Wirkkraft anspruchsvoller Architekturfotografie bewusst sein. Computergestützte 3D-Modelle sind ein zentrales Planungsinstrument, um Ideen und Konzepte aus sämtlichen Blickwinkeln zu veranschaulichen. Die Architekturfotografie wird jedoch die Königsklasse der Architektur- und Gebäudedarstellung bleiben.