Freiluftmuseum Römervilla Rankweil

Architekturfotografie Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Architekturfotografie Rankweil: Geschichte und Archäologie didaktisch und ästhetisch zu präsentieren ist meist keine leichte Aufgabe, besonders wenn der Schauplatz im Freien liegt. Im österreichischen Rankweil gelang dies den marte.marte Architekten, die dort eine Präsentationsstätte zwischen den Überresten einer alten Römervilla installierten.

Nachdem die Römer in der Zeit um Christi Geburt ihren Siedlungsraum auch über die Alpen hinweg ausgedehnt hatten, entstanden im gesamten nördlichen Alpen und Voralpengebiet Kastelle, Thermen, Villen und Siedlungen nach römischem Vorbild und mit römischer Lebenskultur. Ihre Überreste sind vielerorts noch heute gut sichtbar. Da sich jedoch Fundamente, Bodenprofile und Ähnliches schlecht in ein Museum holen lassen, bietet es sich an, diese Archäologischen Funde vor Ort zu zeigen. So auch im österreichischen Rankweil-Brederis, wo das Vorarlberger Landesmuseum im Jahr 1954 eine römische Villa Rustica – unserem heutigen Verständnis nach eine landwirtschaftliche Anlage – freigelegt hatte. Um die Überreste der Ansiedlung aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus für Besucher zugänglich und erfahrbar zu machen, ließ die Vorarlberger Landesregierung im Jahr 2009 ein Freilichtmuseum der besonderen Art entstehen. Für das Vorhaben konnten die marte.marte Architekten gewonnen werden, die einen futuristischen Baukörper erschufen, dessen Oberfläche aus Cortenstahl als weithin sichtbarer Landmarker fungiert.

Ein stattliches Anwesen

Der auf eine Schuttkegel des Flüsschens Frutz errichtete römische Gutshof aus dem 1. bis 5. Jahrhundert nach Christus bestand aus mehreren Gebäude. Schon die Grabungen von 1954 förderten Fragmente von Wandmalereien, Fensterglas, Mühlensteinbruchstücke, Keramik, Schreibgriffel und Tafelgeschirr zu Tage. Insgesamt drei Gebäude konnten inzwischen freigelegt und untersucht werden. Die Abmessungen des mutmaßlichen Haupthauses betragen einschließlich Apsis 20 auf 14,5 Meter. Ein Flur unterteilte es in zwei verschieden große Raumbereiche. Im südlichen Teil der Villa befinden sich Räume mit Boden- und Wandheizungen, die vermutlich zum Wohnen und Verweilen dienten. Weiter südlich befindet sich ein weiterer Wohnbau. Rund 200 Meter östlich liegt das ebenfalls zum Anwesen gehörende Badehaus. Die Fundsituation legt nahe, dass es sich um ein prosperierendes Anwesen gehandelt haben muss. Archäologen vermuten deshalb noch weitere Gebäude im näheren Umfeld der freigelegten Mauern, wie etwa Viehställe oder Kornspeicher. Die römische Villa Rustica war stets eine autarke Wirtschaftseinheit, die landwirtschaftliche Erzeugnisse herstellte und gegebenenfalls als Nahversorger diente. Das Ende der Siedlung in Rankweil kann nicht genau datiert werden. Mit Hilfe des neuen Freilichtmuseums wollte man die archäologischen Funde direkt an ihrem Entstehungsort präsentieren und den Siedlungsüberresten einen weithin sichtbaren Marker zur Seite stellen.

Stählerner Wächter

Zwischen den freigelegten Fundamentresten positionierten die marte.marte Architekten den größeren der beiden Baukörper in Form einer begehbaren Skulptur. Der fast durchgehend aus mehreren Scheiben Cortenstahl zusammensetzte monolithische Kubus erhebt sich rund acht Meter hoch wie ein Wächter der Zeit über der historischen Stätte. Lediglich der Bereich auf Höhe des Betrachters ist in Glas gefasst, sodass der Monolith bis auf einen Stützsockel frei über der Ausgrabungsstätte zu schweben scheint. Die Glasfläche dient als Informationsträger, hier wurden wichtige Daten zur Ausgrabungsstätte aufgedruckt. Eine trapezförmige Plattform, ebenfalls aus Cortenstahl gefertigt, verbindet die überdimensionale Stele mit einer raumbildenden Wandinstallation, die der Präsentation von Fundstücken dient. Auch sie wurde aus Cortenstahl gefertigt. Zwei lange Einschnitte, einer vertikal und einer horizontal, sowie vier rechteckige Fenster unterschiedlicher Größe wurden ebenfalls verglast, um die Exponate vor Witterung und unrechtmäßiger Entfernung zu schützen. Trotz seiner Extravaganz fügt sich das so entstandene Freilichtmuseum nahtlos in die historischen Mauerreste ein, da die Fensterelemente stets die dahinterliegende Landschaft durchscheinen lassen. Die auffällige Oberfläche des verwendeten Materials dominiert zwar weithin sichtbar die Landschaft, signalisiert damit jedoch eine respektvolle Zurückhaltung hinter der Geschichte des Ortes. Den marte.marte Architekten ist es damit gelungen, ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen und gleichzeitig eine Brücke in das Hier und Jetzt zu schlagen.

Das Architekturfotografie-Projekt wurde im Rahmen einer BAUWERK-Reportage erstellt.

Architekturfotografie Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Architekturfotografie Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Architekturfotografie Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Rankweil Freiluftmuseum Römervilla

Weitere Informationen zum Architekturfotografie-Projekt:

Freilichtmuseum Römervilla Rankweil bei Vorarlbergmuseen