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Biberach | Deutschland

Radiologie Fuchs

Architekt | Inge Zalenga & Leopold Humm | Biberach

Architekturfotografie Radiologie Fuchs Biberach | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Architekturfotografie Radiologie Fuchs Biberach | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Radiologie Fuchs: Diagnostik im Kubus

Am Paracelsusweg in Biberach an der Riß steht ein Praxisgebäude, das zwei sehr unterschiedliche Anforderungen miteinander versöhnt: die hochspezialisierte technische Infrastruktur einer radiologischen Diagnostik und den Wunsch nach einem ruhigen, hellen, beinahe selbstverständlichen Ort für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende. Die Radiologische Gemeinschaftspraxis Wolfgang Fuchs und Victor-Götz Bansemer ist damit weniger ein spektakulärer Solitär als ein präzise organisiertes Stück Gesundheitsarchitektur: kompakt, funktional, zurückhaltend und im Inneren erstaunlich offen.

Medizinische Gebäude verraten oft viel über das Verhältnis einer Gesellschaft zu Technik, Vertrauen und Verletzlichkeit. Besonders deutlich wird das bei einer Radiologie. Hier treffen Patientinnen und Patienten auf Apparate, deren Leistungsfähigkeit sich einer unmittelbaren Anschauung entzieht. Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Röntgen, Mammographie: All diese Verfahren sind präzise, komplex und hochgradig reguliert. Sie verlangen Räume, die technisch exakt funktionieren. Zugleich betreten Menschen diese Räume meist nicht aus freien Stücken, sondern mit Fragen, Sorgen oder Beschwerden. Architektur kann daran nichts beschönigen. Aber sie kann eine Haltung formulieren.

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Die Radiologische Gemeinschaftspraxis Fuchs/Bansemer in Biberach an der Riß tut genau das. Der Neubau am Paracelsusweg ist Teil der Entwicklung eines Gesundheitscampus am Hauderboschen, in räumlicher Nähe zur Sana-Klinik. Nur rund hundert Meter trennen Praxis und Klinik. Diese Nähe ist städtebaulich und medizinisch mehr als eine praktische Fußnote. Sie verweist auf ein verändertes Verständnis von Gesundheitsversorgung: nicht mehr die verstreute Einzeladresse, sondern ein Geflecht kurzer Wege, spezialisierter Angebote und unmittelbarer Kooperationen. Der Bau der Radiologie nimmt in diesem Gefüge eine Pionierrolle ein.

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Architektonisch zeigt sich das Gebäude zunächst als ruhiger, klar geschnittener Kubus. Die äußere Erscheinung ist nicht auf Effekt angelegt. Weiße Putzflächen, präzise gesetzte Öffnungen, dunkle Fenster- und Verschattungselemente sowie ein Flachdach formen eine sachliche, fast spröde Komposition. Die frühere Objektreportage beschreibt den Bau als Kubus in schlichter Bauhaus-Manier mit rund 700 Quadratmetern Nutzfläche und einem Bruttorauminhalt von 4.350 Kubikmetern. Diese Einordnung trifft den Charakter des Hauses durchaus: Es geht weniger um bauhistorische Zitate als um Disziplin, Ordnung und Proportion.

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Besonders prägend ist die großformatige Verglasung am Eingangsbereich. Sie nimmt dem Gebäude jene hermetische Schwere, die medizinische Funktionsbauten leicht entwickeln können. Der Zugang ist nicht verborgen, sondern eindeutig markiert. Die Fassade vermittelt Orientierung, ohne sich aufzudrängen. Gerade darin liegt eine Qualität: Das Haus muss nicht laut sein, um präsent zu wirken. Es behauptet sich über Lesbarkeit.

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Im Inneren setzt sich diese Strategie fort. Der Empfangsbereich ist hell, großzügig und übersichtlich. Tageslicht, helle Oberflächen und zurückhaltende Farbtöne bestimmen die Atmosphäre. Die umlaufende Galerie im Obergeschoss öffnet den Raum vertikal und verhindert, dass die Praxis als bloße Abfolge geschlossener Funktionsräume erscheint. Für eine Radiologie ist das bemerkenswert. Denn die eigentlichen Untersuchungsbereiche folgen zwangsläufig anderen Regeln: Abschirmung, Gerätesicherheit, Klimatisierung, technische Erreichbarkeit, Sichtbeziehungen zwischen Untersuchungs- und Kontrollräumen, Bewegungsflächen für Personal und Patientinnen, diskrete Umkleidesituationen.

Die Leistung der Planung liegt deshalb nicht in einer vordergründigen Geste, sondern in der Organisation dieser Zwänge. Die Praxis ist so aufgebaut, dass Anmeldung, Wartebereiche, Befundungszimmer, Untersuchungsräume und Nebenflächen in einen funktionierenden Ablauf gebracht werden. Im Erdgeschoss befinden sich unter anderem Anmeldung, Wartebereiche, Besprechungs- und Befundungszimmer sowie Röntgen, CT und MRT. Im Obergeschoss sind Mammographie, ein weiterer Wartebereich, Anmeldung für das Screening, zusätzliche Befundungsräume sowie Sozial- und Aufenthaltsbereiche für Mitarbeitende untergebracht. Aus architektonischer Sicht ist das eine klassische, aber anspruchsvolle Aufgabe: Der Grundriss muss effizient sein, ohne den Menschen auf einen Prozessschritt zu reduzieren.

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Gerade die Radiologie macht sichtbar, wie eng Architektur und Gebäudetechnik miteinander verwoben sind. Röntgen-, CT- und MRT-Räume stellen hohe Anforderungen an Strahlenschutz, Klima-, Kälte- und Lüftungstechnik. Die diagnostischen Geräte erzeugen Wärmelasten und benötigen stabile Bedingungen. Beim MRT kommen elektromagnetische Abschirmung, Vibrationsschutz und besondere Sicherheitsanforderungen hinzu. Die frühere Reportage verweist auf eine vom Hauptgebäude entkoppelte, selbstragende Raum-in-Raum-Konstruktion für die Hochfrequenzkabine. Diese funktioniert im Prinzip wie ein Faradayscher Käfig und schützt die Bildgebung vor Störungen. Auch das Quenchrohr, das im Störfall Helium ins Freie leitet, gehört zu jenen Bauteilen, die in der Wahrnehmung der Nutzer kaum sichtbar sind, für das Funktionieren des Gebäudes aber elementar bleiben.

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Für Architekten liegt hier der eigentliche Reiz des Projekts. Der Bau ist kein neutraler Container, in den später Medizintechnik gestellt wurde. Vielmehr musste die technische Infrastruktur von Beginn an mitgedacht werden. Die tonnenschweren Geräte, insbesondere der MRT-Scanner, verlangten eine genaue Abstimmung von Rohbau, Einbringöffnung, Raumabschirmung und späterem Wandverschluss. So wurde der Scanner durch eine zentimetergenau geplante Öffnung im Mauerwerk eingebracht, die anschließend geschlossen werden konnte. Solche Details sind nicht spektakulär im fotografischen Sinn, aber sie entscheiden über die Qualität des Entwurfs.

Bemerkenswert ist auch die Wahl der Bauweise. Die Außenwände wurden als monolithische Ziegelkonstruktion ohne zusätzliches Wärmedämmverbundsystem ausgeführt; auch Innenwände bestehen aus Hochlochziegelmauerwerk. In einem medizinischen Wirtschaftsbau ist das nicht selbstverständlich, aber plausibel. Die Bauweise verbindet robuste Konstruktion, bauphysikalische Leistungsfähigkeit, Brand- und Schallschutz sowie eine gewisse handwerkliche Direktheit. Für das Projekt war zudem die Ausführungssicherheit wichtig: Der Bau entstand unter Zeitdruck, bei hoher technischer Komplexität und mit engem Kostenrahmen.

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Dass bei Planung und Umsetzung auf regionale Partner gesetzt wurde, ist mehr als eine Randnotiz. Mit den Architekten am Weberberg, der Projektarchitektin Inge Zalenga, der Grimm GmbH als Generalunternehmer und örtlichem Bauleiter sowie den beteiligten Fachplanern entstand ein Planungsprozess, der offenbar stark auf Abstimmung beruhte. Die frühere Reportage hebt auch den Einsatz von BIM und Virtual Reality hervor: Bauherr und Beteiligte konnten Räume bereits während der Planung virtuell begehen, Proportionen prüfen, Abläufe hinterfragen und Änderungen vor der Bauphase vornehmen. Das klingt heute beinahe selbstverständlich, ist aber bei kleineren medizinischen Spezialbauten keineswegs trivial. Gerade dort, wo jeder Quadratmeter mehrfach funktional gebunden ist, kann die räumliche Vorwegnahme spätere Konflikte vermeiden.

Ästhetisch bleibt der Bau zurückhaltend. Er sucht nicht die expressive Form, sondern die kontrollierte Ordnung. Das kann man als Stärke lesen, aber auch als Grenze. Wer architektonische Radikalität erwartet, wird sie hier nicht finden. Das Gebäude ist kein Manifest, keine ikonische Setzung und kein Versuch, den Gesundheitsbau formal neu zu erfinden. Seine Qualität liegt in einer anderen Kategorie: in der präzisen Vermittlung von Technik, Konstruktion und Alltag. Es ist ein Haus, das funktionieren muss — und gerade darin seine architektonische Würde entwickelt.

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Für Architekturfotografen bietet das Objekt deshalb andere Motive als das spektakuläre Einzelbild. Interessant sind die Übergänge: die Tiefe der Eingangsnische, die Spannung zwischen weißer Wandfläche und dunkler Lamellenstruktur, die vertikale Öffnung des Empfangsbereichs, der Kontrast zwischen nüchterner Untersuchungstechnik und ruhiger Innenraumgestaltung. Auch die technischen Räume verdienen Aufmerksamkeit, weil sie zeigen, wie sehr die unsichtbare Infrastruktur das Erscheinungsbild eines solchen Gebäudes bestimmt. Der MRT-Raum mit seiner abgeschirmten Konstruktion, das Sicherheitsglas, die kontrollierten Lichtstimmungen und die glatten, hygienischen Oberflächen erzählen von einer Architektur, die sich an Präzision misst.

Die Radiologische Gemeinschaftspraxis Fuchs/Bansemer ist damit ein Beispiel für jene Bauaufgaben, die im öffentlichen Architekturdiskurs oft unterrepräsentiert sind. Sie steht nicht im Zentrum einer Altstadt, sie ist kein Kulturhaus, keine Schule, kein Museum. Sie gehört zur alltäglichen Infrastruktur einer Stadt und eines Landkreises. Gerade deshalb ist sie relevant. Denn die Qualität gebauter Umwelt entscheidet sich nicht nur an prominenten Orten, sondern auch dort, wo Menschen warten, hoffen, untersucht werden, arbeiten und Befunde erhalten.

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Am Paracelsusweg ist ein Gebäude entstanden, das diese Realität ernst nimmt. Es vermeidet falsche Wärme ebenso wie demonstrative Kälte. Es gibt der Medizintechnik den notwendigen Raum, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Seine Architektur spricht leise, aber deutlich: Gesundheit braucht Organisation, Präzision und Vertrauen. Und manchmal beginnt dieses Vertrauen schon an einer hellen Fassade, einem klaren Eingang und einem Raum, der nicht mehr verspricht, als er halten kann.