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Zusmarshausen | Deutschland

Sortimo Innovationspark

Architekt | Wunderle + Partner | Neusäß

Architekturfotografie Sortimo Innovationspark Zusmarshausen | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Architekturfotografie Sortimo Innovationspark Zusmarshausen | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Sortimo Innovationspark: Infrastruktur mit Aufenthaltsqualität

Der Sortimo Innovationspark in Zusmarshausen ist kein klassischer Autohof und keine bloße Ladestation. Er ist ein gebautes Experiment an der Autobahn: ein Ort, an dem Infrastruktur, Energie, Aufenthalt und Gewerbe zu einer neuen Typologie verdichtet werden. Architektonisch interessant ist weniger die einzelne Geste als das Zusammenspiel aus technischer Ordnung, landschaftlicher Einbettung und der Frage, wie Mobilität künftig räumlich organisiert wird.

Wer sich dem Sortimo Innovationspark in Zusmarshausen nähert, kommt nicht aus der Stadt, sondern von der Autobahn. Das ist für die Wahrnehmung dieses Ortes entscheidend. Hier gibt es keine historische Fassade, keinen gewachsenen Platz, keine urbane Nachbarschaft, die dem Gebäude Halt geben könnte. Der Innovationspark steht in einer Zwischenwelt aus Gewerbegebiet, Verkehrsinfrastruktur und offener Landschaft, unmittelbar an der A8 westlich von Augsburg. Gerade daraus bezieht er seine architektonische Spannung: Er muss nicht nur ein Gebäude sein, sondern eine Ordnung für Bewegung, Energie und Aufenthalt herstellen.

Architekturfotografie Sortimo Innovationspark Zusmarshausen | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Der erste Eindruck ist der einer technischen Landschaft. Ladepunkte, Fahrspuren, Dächer, Beleuchtung, Beschilderung, Gastronomie, Parkflächen und Grünräume bilden kein beiläufiges Nebeneinander, sondern ein räumliches System. Der Sortimo Innovationspark zählt mit derzeit insgesamt 76 Ladepunkten zu den großen Ladeparks Europas; der erste Bauabschnitt wurde Mitte 2021 fertiggestellt. Doch die Zahl allein erklärt die architektonische Bedeutung des Ortes nicht. Interessant wird das Projekt dort, wo es die Logik der Tankstelle verlässt. Die klassische Tankstelle ist ein Ort des kurzen Stopps: anfahren, tanken, bezahlen, weiterfahren. Der Ladepark dagegen produziert Zeit. Er zwingt nicht zur Beschleunigung, sondern organisiert Wartezeit. Aus diesem Unterschied entsteht eine neue Bauaufgabe.

Architekturfotografie Sortimo Innovationspark Zusmarshausen | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Der Innovationspark beantwortet sie nicht mit Monumentalität. Vielmehr wirkt das Ensemble wie eine großmaßstäbliche Infrastruktur, die versucht, sich in kleinere, lesbare Einheiten zu gliedern. Überdachungen, Servicebereiche und Freiräume setzen Orientierungspunkte. Besonders prägend sind die pilzförmigen Stahl-Membrankonstruktionen, die im Bereich der Schnellladeplätze nicht nur Schutz bieten, sondern technische Infrastruktur aufnehmen. Für diese Membrantragwerke werden Stahl, PVC/PES-Membrane und PES-Gittergewebe eingesetzt. Sechs pilzförmige Konstruktionen sind durch eine eben gespannte Membran verbunden. Das ist ein bemerkenswertes Detail, weil hier Tragwerk, Haube, Technikträger und Zeichen in einem Bauteil zusammenfallen.

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Diese Membrandächer besitzen eine gewisse Ambivalenz. Einerseits erinnern sie an die vertraute Sprache von Tankstellen und Verkehrsbauten: leicht, seriell, funktional, nachts vermutlich besonders wirksam. Andererseits vermeiden sie den dumpfen Pragmatismus vieler Autohöfe. Sie bilden keine schwere Halle und kein aggressives Dachzeichen, sondern eher eine Folge von Schirmen. Die Konstruktion spricht von Schutz, nicht von Einschüchterung. Für Architekturfotografen liegt genau darin ein Reiz: Die Anlage lebt vom Wechsel zwischen technischer Präzision und atmosphärischer Leichtigkeit, zwischen serieller Wiederholung und der einzelnen, skulptural lesbaren Stütze.

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Das Hauptgebäude mit Gastronomie, Kiosk- und Büronutzungen ergänzt diese Infrastruktur um einen Aufenthaltskern. Der Neubau lässt sich als Elektro-Tankstelle mit Gastronomie, Kiosk und Büroräumlichkeiten beschreiben, entworfen von Wunderle + Partner als Architekten. Interessant an dem Komplex mit einer Bruttogrundfläche von 3.500 Quadratmetern ist die erkennbare Haltung: Das Gebäude will nicht bloße Nebenanlage sein. Es soll dem technischen Vorgang des Ladens einen sozialen und räumlichen Rahmen geben.

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Damit wird der Innovationspark zu einer Zwischenform. Er ist weder Raststätte im traditionellen Sinn noch Gewerbecampus im klassischen Sinn. Er nimmt Elemente beider Typologien auf: die Durchlässigkeit und Dauerverfügbarkeit der Verkehrsinfrastruktur, die Aufenthaltsqualität eines kleinen Campus, die technische Dichte einer Energieanlage und die programmatische Offenheit eines Gewerbestandorts. Auf dem Campus werden unter anderem Gastronomie, Außenanlage mit Kinderspielplatz, Fahrradstellplätze, E-Bike-Ladestation und weitere Serviceangebote genannt. Man kann diese Mischung funktional lesen. Man kann sie aber auch als architektonisches Symptom verstehen: Mobilität wird nicht mehr nur als Bewegung gedacht, sondern als Aufenthalt im Übergang.

Die Freianlagen spielen dabei eine größere Rolle, als man an einem Ladepark erwarten würde. Nach Betreiberangaben weist das Areal eine Durchgrünung von über 70 Prozent auf. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen, weil sie leicht in die Sprache der Standortkommunikation geraten. Räumlich jedoch ist der Ansatz relevant. Der Innovationspark versucht, die technische Härte eines Lade- und Gewerbeareals durch landschaftliche Elemente zu brechen. Grün ist hier nicht nur Dekoration, sondern ein Mittel der Maßstäblichkeit. Es trennt, fasst, beruhigt und schafft Zwischenräume. Gerade in der Fotografie dürfte sich zeigen, ob diese Landschaft stark genug ist, die Infrastruktur nicht nur zu begleiten, sondern tatsächlich zu prägen.

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Energietechnisch ist der Ort ebenso Teil seiner Architektur. Transsolar beschreibt für den Standort ein Net-Zero-Energiekonzept, entwickelt zusammen mit Steinbacher Consult. Im Vordergrund stehen regenerative Stromerzeugung und Speicherung; genannt werden unter anderem eine Photovoltaikanlage mit 3000 kWp sowie ein Batteriespeicher mit 1200 kWh als optimale Lösung für den Standort. Hinzu kommt die Nutzung von Abwärme aus Trafostation, Batteriespeicher und Elektrokabeln über eine reversible elektrische Wärmepumpe. Das ist nicht bloß Gebäudetechnik im Hintergrund. Es verändert den Charakter des Projekts. Die Architektur wird Teil eines energetischen Kreislaufs, in dem Dachflächen, Speicher, Netzanschluss, Ladepunkte und thermische Rückgewinnung zusammengehören.

Gerade darin liegt die eigentliche Modernität des Sortimo Innovationsparks. Sie besteht nicht primär in einer modischen Form, sondern in der Verschränkung von Infrastruktur und Baukultur. Lange galten Verkehrsbauten am Rand der Autobahn als Orte, an denen architektonische Ansprüche schnell unter die Räder kamen. Tankstellen, Autohöfe und Gewerbebauten wurden häufig als reine Zweckarchitektur behandelt: effizient, robust, austauschbar. Der Innovationspark zeigt, dass diese Haltung nicht mehr ausreicht. Wenn Energieversorgung, Aufenthalt, Gastronomie, Schulung, Forschung, Arbeit und Landschaft an einem Ort zusammentreffen, entsteht ein komplexer Bautyp. Er verlangt nach Gestaltung, weil er mehr organisiert als den technischen Ablauf.

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Dabei bleibt das Projekt nicht frei von Widersprüchen. Seine Größe, seine Lage an der Autobahn und seine Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr sind Teil der Realität. Auch die Elektromobilität hebt die Flächenfrage nicht auf. Der Ladepark benötigt Raum, Erschließung, Technik und Sichtbarkeit. Er ist damit kein Gegenbild zur automobilen Landschaft, sondern deren Weiterentwicklung. Gerade deshalb ist er architektonisch interessant. Er zeigt nicht die Utopie einer vollkommen anderen Mobilität, sondern den Versuch, eine bestehende Mobilitätskultur umzubauen: weniger fossil, stärker vernetzt, energetisch komplexer, räumlich aufenthaltsorientierter.

Die beste Architektur des Ortes liegt deshalb vermutlich in seiner Lesbarkeit. Wer lädt, versteht schnell, wo er sich bewegt, wo er warten kann, wo Service beginnt und wo Technik ihren Platz hat. Das klingt banal, ist es aber nicht. Infrastruktur scheitert oft nicht an der großen Idee, sondern an der Alltagssituation: unklaren Wegen, unbequemen Übergängen, lieblosen Aufenthaltsbereichen, Restflächen ohne Haltung. In Zusmarshausen scheint der Anspruch zu sein, diese Restflächen gar nicht erst entstehen zu lassen. Der Campusgedanke ist hier weniger akademische Metapher als eine Ordnungshilfe.

Architekturfotografie Sortimo Innovationspark Zusmarshausen | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Für Architekten und Bauingenieure liegt der Wert des Projekts somit in der Frage, wie ein hoch technisiertes Areal räumlich kultiviert werden kann. Für Architekturfotografen bietet es eine andere Herausforderung: Nicht das singuläre Objekt allein erzählt die Geschichte, sondern die Beziehung von Dach, Fahrzeug, Mensch, Technik, Licht und Landschaft. Die stärksten Bilder dürften dort entstehen, wo sich diese Ebenen überlagern: unter den Membranschirmen, entlang der Ladeachsen, im Übergang zur Gastronomie, im Moment zwischen Ankunft und Weiterfahrt.

Architekturfotografie Sortimo Innovationspark Zusmarshausen | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Der Sortimo Innovationspark ist kein stilles Bauwerk. Er summt, lädt, verteilt, speichert, empfängt und entlässt. Seine Architektur muss mit Bewegung umgehen, ohne selbst unruhig zu werden. Darin liegt seine Qualität. Er macht aus einem Vorgang, der früher an der Zapfsäule in wenigen Minuten erledigt war, einen Ort mit Dauer. Man kann das als Folge technischer Notwendigkeit sehen. Man kann es aber auch als kulturellen Wandel lesen: Die Infrastruktur der Zukunft wird nicht unsichtbarer. Sie wird präsenter. Umso wichtiger ist, dass sie gestaltet wird.