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Klatovy / Tschechien

Glasmuseum

Martin Kožnar / Jiří Bíza

Architekturfotografie Glasmuseum Klatovy | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Architekturfotografie Glasmuseum Klatovy | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Glasmuseum Klatovy: Weißraum für farbiges Licht

Der PASK Glaspavillon in Klatovy verwandelt einen unscheinbaren Ausstellungspavillon der Nachkriegszeit in ein stilles Museum für Glas. Atelier25 hat dafür keinen ikonischen Neubau geschaffen, sondern eine präzise bereinigte Architektur: weiß, zurückhaltend, kurvig, lichtgeführt. Der Bau zeigt, wie stark ein kleines Museum sein kann, wenn Raum, Sammlung und Garten ein gemeinsames Maß finden.

Der erste Eindruck ist beinahe paradox. Ein Glaspavillon, der nicht als gläserner Körper erscheint. Kein transparentes Haus, keine demonstrative Materialrhetorik, keine funkelnde Hülle. Stattdessen steht im Garten des Dr.-Karel-Hostaš-Museums in Klatovy ein weißer, fast körperlos wirkender Pavillon: ruhig, geschlossen, mit wenigen großen Öffnungen und einer sanft geschwungenen Front. Das Glas, dem dieser Ort gewidmet ist, liegt nicht in der Fassade. Es liegt im Inneren – als Sammlung, als Farbe, als Lichtträger, als historisches Gedächtnis einer Region.

Der PASK Glaspavillon, tschechisch Pavilon skla, befindet sich an der Hostašova 917 in Klatovy, südöstlich des historischen Zentrums. Der Bau steht im Garten des regionalen Museums, in einer städtischen Denkmalzone; die Museumsanlage und ihr Garten sind als Kulturdenkmal eingeordnet. Die heutige Gestalt geht auf den Umbau durch Atelier25 zurück, namentlich Martin Kožnar und Jiří Bíza. Das Projekt wurde 2013/14 geplant und 2014 fertiggestellt; die bebaute Fläche beträgt 230 Quadratmeter.

Dass dieser Pavillon heute so selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis einer architektonischen Reduktion. Ursprünglich wurde das Gebäude 1959 im Rahmen der tschechoslowakischen „Aktion Z“ errichtet und diente Ausstellungen der Klatovyer Nelken. Später wurde es über Jahrzehnte als Depot und Werkstatt des Regionalmuseums genutzt. Die damit verbundenen Umbauten hatten die ursprüngliche Figur überformt. Atelier25 verstand gerade diese Figur als eigentlichen Wert des Bestands: nicht die Details, nicht die Schichten späterer Nutzungen, sondern die einfache, U-förmige Grundform.

Der Eingriff folgt deshalb keiner Strategie des spektakulären Hinzufügens, sondern einer Strategie des Freilegens. Nachträgliche Veränderungen wurden entfernt, Öffnungen geschlossen, neue Öffnungen gesetzt. Der frühere zentrale Eingang verschwand; stattdessen entstand eine asymmetrisch angeordnete Erschließung an einem Giebel. Diese Verschiebung ist mehr als eine formale Entscheidung. Sie ermöglicht, dass die Ausstellung den Raum ohne Unterbrechung fassen kann. Der Besucher betritt das Haus nicht in einer Achse, sondern seitlich – und gelangt damit in eine Bewegung, die eher einem Umlauf als einem linearen Museumsparcours gleicht.

Architekturfotografie Glasmuseum Klatovy | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Der Weg dorthin beginnt bereits im Garten. Eine organisch geführte Betonlinie windet sich vom Straßeneingang durch die Grünfläche zum Pavillon. Sie ist Orientierung, aber auch Verzögerung. Der Bau wird nicht frontal erobert, sondern allmählich erreicht. In dieser Annäherung liegt eine leise Dramaturgie: Das weiße Volumen steht wie ein gefalteter Hintergrund im Grün; seine Kurve nimmt dem Bau die Schwere, ohne ihn zu entmaterialisieren. Die Architektur behauptet sich nicht gegen den Garten, sie erzeugt mit ihm eine Sequenz aus Abstand, Blick, Schwelle und Eintritt.

Im Inneren wird die räumliche Idee präzise weitergeführt. Die Ausstellung liegt in Vitrinen, die Teil der umlaufenden Wände sind. Dadurch stehen die Exponate nicht als vereinzelte Objekte im Raum, sondern bilden eine farbige, lichte Hülle. Besucher bewegen sich gewissermaßen innerhalb der Sammlung: umgeben von Gefäßen, Formen, Oberflächen, Transparenzen. Die Vitrinen folgen der Geometrie des Pavillons und entwickeln sie weiter; die Architektur wird damit selbst zum Träger der Ausstellung.

Besonders wirkungsvoll ist die Lichtführung. Neben dem Eingang erhielt der Pavillon ein großes Fenster zum Garten, das im Rundgang eine Pause schafft – einen Moment, in dem sich der Blick vom Glas löst und nach draußen fällt. In der Dachmitte sitzt ein großes rundes Oberlicht, das diffuses Licht in den Raum bringt. Diese Öffnung wirkt nicht wie ein technisches Detail, sondern wie ein ruhiger Mittelpunkt. Sie gibt dem kleinen Bau eine fast sakrale Helligkeit, ohne Pathos zu erzeugen.

Das Weiß des Pavillons ist dabei nicht bloß eine ästhetische Entscheidung. Es ist ein kuratorisches Mittel. Innen wie außen vereinheitlicht die weiße Oberfläche den Bestand, lässt die Form lesbar werden und nimmt sich gegenüber den Exponaten zurück. Historisches Glas – insbesondere aus der Tradition der Lötz-Glashütte im Böhmerwald – lebt von irisierenden Oberflächen, von farbigen Schichten, von Lichtbrechungen und materialtechnischer Raffinesse. Eine lautere Architektur würde diese Qualitäten übertönen. Hier dagegen wird die Zurückhaltung zur Voraussetzung für Intensität.

Auch konstruktiv bleibt der Umbau auf dem Boden des Bestands. Die Struktur ist gemauert, die weißen Stuckoberflächen werden außen durch eine Dämmung mit Mineralwolle ergänzt. Böden, Rampe und Treppe bestehen aus Beton; die Dachkonstruktion blieb als ursprüngliches Pultdach aus genagelten Holzbindern erhalten. Technische Räume und Toiletten liegen im Untergeschoss, erschlossen über eine betonte Wendeltreppe; weitere Nebenräume sind am Eingang in einer gemauerten „Tasche“ verborgen.

Architekturfotografie Glasmuseum Klatovy | Gerd Schaller | BAUWERK PERSPEKTIVEN

Gerade diese Kombination aus Einfachheit und Präzision macht den Pavillon bemerkenswert. Er gehört nicht zu jener Museumsarchitektur, die den Anspruch der Institution durch Übergröße oder formale Geste beglaubigen will. Er ist klein, beinahe unspektakulär, und gerade deshalb architektonisch interessant. Seine Qualität liegt in der genauen Kontrolle von Öffnung und Schließung, von Raumfluss und Sammlung, von Bestand und neuer Ordnung.

Für Architekturfotografen ist der Bau ein dankbares, aber anspruchsvolles Motiv. Außen lebt er von der Spannung zwischen weißer Körperhaftigkeit, geschwungener Kontur und weicher Gartenlandschaft. Innen dagegen verlangt er eine Sensibilität für Reflexionen, Vitrinen, Oberlicht und farbiges Glas. Die Architektur inszeniert keine großen Effekte; sie arbeitet mit Übergängen. Wer sie fotografiert, muss weniger nach dem spektakulären Einzelbild suchen als nach der stillen Logik des Ortes: nach dem Licht auf der Kurve, nach der Tiefe im Fenster, nach der Farbe des Glases im Weißraum.

Der PASK Glaspavillon ist damit auch ein Beispiel für eine Haltung im Umgang mit Nachkriegsbeständen. Nicht jeder Bau dieser Zeit ist ein Denkmal im klassischen Sinn. Aber viele besitzen robuste räumliche Qualitäten, die durch Überformung, Zwecknutzung oder Vernachlässigung verdeckt wurden. In Klatovy wurde der Bestand nicht nostalgisch restauriert, sondern in eine neue kulturelle Aufgabe überführt. Die Architektur zeigt, wie Weiterbauen gelingen kann, wenn der Entwurf nicht gegen das Vorhandene arbeitet, sondern dessen verborgene Ordnung ernst nimmt.

So steht der Pavillon heute als kleines Museum für ein zerbrechliches Material – und zugleich als robuste Lektion über Maß, Licht und Zurückhaltung. Er zeigt Glas nicht durch architektonische Transparenz, sondern durch Konzentration. Das Haus wird zum weißen Resonanzraum für Farbe. Und vielleicht liegt genau darin seine Stärke: Es spricht nicht lauter als seine Sammlung. Es schafft ihr nur die Bedingungen, unter denen sie leuchten kann.